Reinhard Clemens leitet den Vorstandsbereich Geschäftskunden der Deutschen Telekom und ist Chief Executive Officer von T-Systems.
Senioren kaufen in digitalen Shops. Familien buchen ihren Urlaub Last-Minute im Reiseportal. Berufstätige bezahlen Rechnungen online. Und die Jugend "twittert" im Netz. Ein selbst ernannter "Stadtjournalist" im Internetauftritt von CNN schickt die Aktie des Computerkonzerns Apple auf Talfahrt - und das mit einer Unwahrheit, wie sich herausstellt.
Das Internet ist fest verankert in unserem Alltag. Oft Segen, und wie man sieht, auch manchmal Fluch. Aber es ist nicht mehr wegzudenken. Das gilt für unser Privatleben wie für die Wirtschaft. Dank des weltweiten Datennetzes können Unternehmen global Güter produzieren und Niederlassungen steuern. Und zu guter Letzt nutzt mittlerweile auch die öffentliche Verwaltung nach einigen Startschwierigkeiten mit immer ausgefeilteren Angeboten das Internet.
Die Behörden verfolgen hehre Ziele: Unter dem Stichwort "E-Government" wollen sie serviceorientierter und effizienter werden, bürgernäher und unternehmensfreundlicher. Es sieht so aus, als sei Deutschland dabei auf dem richtigen Kurs: Unser Land konnte sich laut einer Studie der EU-Kommission im internationalen E-Government-Ranking im vergangenen Jahr unter die Top Ten vorschieben - nach Platz 18 im Jahr 2006.
Ist bei der digitalen Verwaltung in Deutschland also alles bestens? Nein, noch nicht ganz. Wir sind zwar auf einem guten Weg. Aber es gilt, bis zum Ziel noch zwei Hürden zu überwinden.
Unterschiedliche Standards und Ziele
Die erste Hürde sind die föderalen Strukturen. Bund, Länder und Kommunen haben jeweils eigene Vorstellungen davon, was E-Government zu leisten hat. Zudem verfügt jedes Bundesland über gewachsene Eigenarten und Besonderheiten - von Landesgesetzen über technische Standards bis zu den Kompetenzen der Ansprechpartner in den einzelnen Ämtern.
Ein Flickenteppich von Lösungen treibt den konzeptionellen, technischen und finanziellen Aufwand bei der Umsetzung von E-Government in die Höhe. Denn Informations- und Kommunikationstechnologien können ihre Vorteile erst dann ganz ausspielen, wenn möglichst viele Teilnehmer sie nach ähnlichem Muster einsetzen. Wir brauchen daher eine übergreifende Strategie. Herrscht erst einmal Konsens, kommen E-Government-Projekte schnell in Schwung. Beispiel EU-Dienstleistungsrichtlinie: Bislang müssen Dienstleister noch bis zu 15 verschiedene Ansprechpartner kontaktieren, um ein Gewerbe anzumelden. Ab Ende 2009 soll es dafür nur noch eine Anlaufstelle geben - und die wird im Internet liegen.