Reinhard Mohn ist Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats von Bertelsmann und Mitglied des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung. Der Text entstammt seinem neuen Buch "Von der Welt lernen".
Länder- und nationenübergreifend eint die Menschen der Wille, ihre Lebensumstände zu verbessern und ein Leben in Würde und Freiheit zu führen. Die persönliche Freiheit des Einzelnen wird aber nicht nur von den politischen Systemen bestimmt, sie ist auch in hohem Maße beeinflusst von seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten.
Auf der ganzen Welt wird das Erreichen persönlicher Ziele häufig mit Wohlstand gleichgesetzt, Reichtum allzu oft mit Glück verwechselt. Im Bereich des wirtschaftlichen Handelns ist es unmöglich, von allen Menschen gleiche Leistungen zu verlangen. Wohl aber kann erwartet werden, dass sich jeder um einen Beitrag bemüht, der seinen Fähigkeiten entspricht. Diese Grundhaltung fordert die Regierenden heraus, dieses Bemühen nach den Möglichkeiten der heutigen Zeit zu ordnen.
Forderung nach länderübergreifendem Ethos
So unterschiedlich wie die wirtschaftlichen Bedingungen international auch sein mögen, so unabdingbar ist doch die Forderung nach einem länderübergreifenden Ethos, in dem der Grundgedanke der Menschlichkeit mit der Leistungserwartung der Gesellschaft in Einklang gebracht wird. Ein Kapitalismus, der die Bedürfnisse der Menschen mit Füßen tritt, ist menschenverachtend und wird auf lange Sicht soziale Aufstände und politische Konflikte auslösen, die ein friedliches Miteinander unmöglich machen.
Wer als Unternehmer mit der Arbeit der Menschen Geld verdient, steht gegenüber seinen Mitarbeitern in der Verantwortung. Gerade in unserer Zeit des globalen Wettbewerbs können von verantwortungsbewussten Unternehmern wegweisende Impulse ausgehen, weil die Bedürfnisse der Menschen nach Freiheit, Frieden und Wohlstand über nationale, kulturelle und politische Unterschiede hinweg so ähnlich sind.