Robert Zion ist Publizist und Mitglied im nordrhein-westfälischen Landesverband der Grünen. Auf dem Göttinger Parteitag von 2007 setzte er gegen den Willen der Parteispitze einen Kurswechsel in der Afghanistanpolitik durch.
Um wenigstens noch den Anschein einer möglichen Kanzlerschaft Frank-Walter Steinmeiers nach der Bundestagswahl aufrechtzuerhalten, wirbt die SPD lautstark für eine Ampelkoalition mit Grünen und Liberalen. Teile der Grünen-Spitze machen mit - und geben der FDP damit auf eigene Kosten eine Regierungsgarantie.
Ob die SPD mit dem Motto "Brüderle, zur Sonne, zur Freiheit" ihrer Krise entkommen wird, ist allerdings ebenso fraglich wie die Auflösung des strategischen Dilemmas der Grünen durch die freie Fahrt für Westerwelle. Nach Umfragen wollen 80 Prozent der Grünen-Wähler, dass ihre Partei regiert. Zwar gewinnen die Grünen im Fünfparteiensystem neue Machtoptionen - denkbar sind schwarz-grüne wie auch rot-rot-grüne Bündnisse. Sobald es aber zur Gretchenfrage kommt, wie sich die Partei im Wahlkampf aufstellt und welche Koalitionsaussage im Sinne ihrer Wählerschaft ist, schmilzt die vermeintliche neue grüne Freiheit wie Butter in der Sonne.
Das Spitzenteam aus Renate Künast und Jürgen Trittin hat daher die Flucht nach vorn angetreten und einen Ampelwahlkampf verkündet. Trittin fügte gleich einen ungelenken Trost für die Parteilinke hinzu: "Das begeistert keinen Grünen, aber es ist, wie es ist."
Doch der parteiinterne Widerstand ließ nicht lange auf sich warten. An diesem Wochenende wollen die Grünen in Nordrhein-Westfalen, der größte Landesverband in der Partei, eine Resolution verabschieden, der sich gegen eine Festlegung auf eine Ampelkoalition wendet. Wer die Positionen der FDP bei der dringend erforderlichen Neuregulierung der Finanzmärkte und ihre Forderungen nach einer Privatisierung der Krankenversicherung und Steuersenkungen auf Pump betrachtet, kann diese Forderung nur ausdrücklich unterstützen.