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Merken   Drucken   28.05.2008, 11:00 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Stefan Krug: Ausverkauf im Regenwald  

Der kommerzielle Druck einer wachsenden Weltbevölkerung dezimiert die Artenvielfalt. Wird dieser Raubbau nicht durch kluge Politik gestoppt, ist auch der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten.
Bonn ist wieder Hauptstadt - Hauptstadt des Natur- und Klimaschutzes. 5000 Teilnehmer aus aller Welt sind zur Biodiversitätskonferenz (CBD) der Vereinten Nationen an den Rhein gereist, Delegierte aus 189 Staaten: Minister, Wissenschaftler, Journalisten, Industrielobbyisten, Umweltverbände, Vertreter indigener Völker. Sie alle ringen um ein auf den ersten Blick harmloses Thema: Bei "Biodiversität" denkt man an Gorillas, Orchideen oder Laubfrösche. Warum aber lässt Brasilien, das Land mit dem größten Urwald der Erde, dann nicht Umweltexperten, sondern geschliffene Diplomaten des Außenministeriums die Verhandlungen führen? Warum berichten Vertreter indigener Stämme auf CBD-Konferenzen von Mord und Vertreibung? Warum schalten sich Lobbyisten großer Agrar-, Chemie-, Pharma- und Holzunternehmen ein?
Weil es um sehr viel mehr als Artenschutz geht. Keine Frage: Der Verlust an Arten und Lebensräumen nimmt immer dramatischere Formen an. Die Rate des Arten- und Lebensraumverlusts liegt heute rund 1000-mal höher als die natürliche Aussterberate. Die tropischen Urwälder sind in den letzten 50 Jahren auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Größe geschrumpft. Mit den Urwäldern verschwindet auch die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen. 70 Prozent der kommerziellen Fischbestände gelten als erschöpft oder überfischt, zugleich ist Fisch die Ernährungsgrundlage für rund eine Milliarde Menschen. Abstrakte Begriffe wie "Biodiversität" oder "Verlust von Ökosystem-Dienstleistungen" verschleiern, dass bei der CBD in Bonn auch das Überleben der menschlichen Spezies verhandelt wird.

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