Ulrich Blum ist Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle
Es ist wie nach einem Krieg: Der Pulverdampf hat sich verzogen, und der Feldarzt untersucht die Verwundeten. Anschließend richten die Sieger über die Besiegten. Die Schuldigen werden bestraft - aber gibt es eigentlich eindeutig Schuldige? Man definiert sie, aber damit hat man nichts gelernt, um künftige Kriege zu vermeiden. Irgendwann beginnt das böse Spiel von Neuem - bis die Staaten lernen, dass es oft nicht individuelle Bösewichte sind, sondern dass es eine systemische Dynamik gibt, die Konflikte ab einem bestimmten Stadium unbeherrschbar macht. Eine Ordnungsinstitution zur Kriegsvermeidung ist erforderlich, die rechtzeitig wirksam werden kann. Das war erst die Geburtsstunde des Völkerbunds, dann später der Vereinten Nationen.
Derartige internationale Institutionen existieren auf der ökonomischen Ebene bisher nur unzureichend. Allerdings sind die Lehren aus dem "Guerre militaire" auch auf den "Guerre économique", für den einige Hochschulen sogar ausbilden, übertragen worden. Die Nationalstaaten und ihre Zentralbanken richten über den Finanzsektor. Sie selektieren zwischen Finanzinstitutionen, die in den Bankrott gehen, und solchen, die zu retten sind, weil sie systemisch relevant sind.
Vorwürfe von Gier beherrschen die öffentliche Meinung gegenüber der Finanzbranche. Falsche, oft auch moralisierende Schuldzuweisungen drohen den Blick zu verstellen auf die institutionellen Unzulänglichkeiten des Weltfinanzsystems, die nun behoben werden müssen. Dazu braucht man starke Institutionen und auch starke Persönlichkeiten, die diese glaubhaft führen, aber auch eine rigorose Ursachenanalyse.