FTD.de » Meinung » Kommentare » Wie die Bad Bank funktionieren kann

Merken   Drucken   10.06.2009, 13:58 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Wie die Bad Bank funktionieren kann  

Das Konzept der Bundesregierung lähmt die Banken. Um sie wieder funktionsfähig zu machen, müsste der Staat Anteile übernehmen - auch wenn die politische Entwicklung schwierig ist. von Harald Wolf
Harald Wolf (Linke) ist Wirtschaftssenator in Berlin.
Die Debatte, wie man Banken von ihren toxischen Papieren entlastet, um sie wieder funktionsfähig zu machen, ist längst überfällig. Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, hat dies zu Recht zur vorrangigen Aufgabe bei der Wiederbelebung der Weltwirtschaft erklärt. Und die Bundesregierung berät am Mittwoch über ein Bad-Bank-Modell für die Landesbanken.
Die Schrottpapiere und der mit ihnen verbundene Wertberichtigungsbedarf bedrohen die Eigenkapitalbasis der Banken und damit ihre Handlungsfähigkeit. Entgegen allen offiziellen Beschwichtigungen von Banken und Regierungsseite, von einer Kreditkrise könne keine Rede sein, droht eine wechselseitige Verstärkung von Bankenkrise und realwirtschaftlicher Krise: Die notwendige Wertberichtigung auf die toxischen Papiere frisst das Eigenkapital der Banken auf. In der Folge müssen sie ihr Kreditgeschäft wegen fehlender Eigenkapitalunterlegung reduzieren und strangulieren damit die Realwirtschaft. Zugleich führt der weltweite Einbruch der Nachfrage dazu, dass sich die Bonität der Unternehmen verschlechtert und die Kreditausfälle ebenso steigen wie der Bedarf für weitere Wertberichtigungen. Die Entlastung der Banken von den Schrottpapieren ist daher neben Konjunkturprogrammen eine wesentliche Voraussetzung zur Überwindung der gegenwärtigen Krise.
Einigkeit herrscht darüber, dass dringend etwas geschehen muss. Heftig umstritten ist jedoch, ob und wie die beiden Ziele miteinander vereinbar sind, die "Bankbilanzen zu entlasten und gleichzeitig die Eigentümer der übertragenden Unternehmen in die Verantwortung zu lassen". Diese Formulierung wählt die Bundesregierung in ihrem Gesetzentwurf. Die Erfahrungen aus der Berliner Bankenkrise 2001 und aus ihrer Bewältigung können hier durchaus hilfreich sein.
2001 geriet die Bankgesellschaft Berlin in eine existenzgefährdende Schieflage. Sie hatte in der Vergangenheit im großen Stil Immobilienfonds aufgelegt, die sie mit umfangreichen und langfristigen Garantien für die Anleger versah. Sinkende Immobilienpreise und schlechte Vermietungsquoten führten zu einem riesigen Wertberichtigungsbedarf. Das Eigenkapital der Bank drohte unter die gesetzlich vorgeschriebene Quote zu fallen. Das hätte die Schließung der Bank durch die Finanzaufsicht BaFin zur Folge gehabt.
Eine Insolvenz wäre am teuersten
Eine Insolvenzlösung war kein gangbarer Weg. Sie wäre für den Steuerzahler letztlich die teuerste Lösung gewesen, da das Land über die Gewährträgerhaftung für alle Verpflichtungen der Landesbank hätte aufkommen müssen. Zudem hatte die Bankgesellschaft mit der Sparkasse als Teil des Konzerns einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent in der Region. Hätte man die Bank geschlossen, wäre auch eine Vielzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen in die Insolvenz gezogen worden.
  • Aus der FTD vom 10.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  18.05. Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf "Angela Merkel eiskalt"
Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf: "Angela Merkel eiskalt"

Deutschlands Leitartikler zeigen sich verwundert über Merkels schroffe Art bei Röttgens Zwei-Minuten-Rausschmiss, erkennen dafür aber gute Gründe. Einer sieht die alte Merkel zurückkehren. mehr

 



  18:35 Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten
Vermischtes: Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten ...

In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre lang als Sklavin gehalten worden. mehr

Mehr zu: Bosnien, Deutsche

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote