Jong-Wha LeE ist Chefvolkswirt der Asian Development Bank.
Die aktuellen Konjunkturindikatoren aus den hoch entwickelten Volkswirtschaften bleiben durchmischt. Es gibt einige Anzeichen für eine Stabilisierung - zum Beispiel nehmen die industrielle Produktion und der Konsum wesentlich langsamer ab als zuvor. Aber Stabilisierung bedeutet nicht, dass eine Erholung bevorsteht. Die Arbeitslosigkeit ist immer noch auf dem Vormarsch - das Vertrauen der Verbraucher und der Unternehmen ist noch nicht wiederhergestellt. Die Rezession in den USA und Europa wird die Talsohle erst noch erreichen.
Dagegen sind die Anzeichen in Asien sehr viel günstiger. Märkte, die in der Regel die ersten Indikatoren für eine Wende sind, erholen sich hier trotz kleinerer Rückschläge sehr viel stärker. Während der Dow-Jones-Index im zweiten Quartal um elf Prozent stieg, legte Japans Nikkei 225 um 23 Prozent zu. Die Aktienmärkte in China stiegen um 25 Prozent, in Indien um 53 Prozent und in Vietnam um 60 Prozent.
Asiens Realwirtschaft hat sich ebenfalls erholt. Die Industrieproduktion in Südkorea, Singapur und Thailand nahm in den letzten Monaten zu. Und obwohl die meisten Volkswirtschaften Asiens ihre schlechteste Entwicklung seit der asiatischen Finanzkrise von 1997/98 erleben, geht die Asian Development Bank (ADB) davon aus, dass die Talsohle erreicht ist.
Die ADB prognostiziert, dass die Schwellenländer Ostasiens 2009 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von drei Prozent erreichen werden. Auch wenn dies gut drei Prozentpunkte weniger sind als 2008, ist es dennoch viel besser als in anderen Regionen der Welt. Wird Asien also den globalen Aufschwung anführen? Ziemlich wahrscheinlich.
China führt Aufschwung in Asien an
Die ADB erwartet einen steilen Aufschwung - ein Wachstum von rund sechs Prozent im nächsten Jahr. Das sind jedoch immer noch zwei Prozentpunkte weniger als das durchschnittliche Wachstum zwischen 2003 und 2007. Dies liegt daran, dass die ADB zwar einerseits damit rechnet, dass die Stimulierungspakete der Regierungen zur Steigerung der Binnennachfrage führen, andererseits aber bezweifelt, dass die Auslandsnachfrage in naher Zukunft wieder anziehen wird. Die ADB sieht die US-Wirtschaft im laufenden Jahr um drei Prozent schrumpfen, während die Volkswirtschaften in Europa und Japan wahrscheinlich um 4,3 Prozent und 5,8 Prozent schrumpfen werden.
China führt den Aufschwung in Asien an. Aggressive Staatsausgaben - mehr als sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr und acht Prozent 2010 - werden das Inlandswachstum ankurbeln. Auch andere asiatische Volkswirtschaften werden sich erholen, da sie von der Nachfrage Chinas profitieren. Das Land ist der größte ausländische Käufer von koreanischen und der zweitgrößte von japanischen Produkten. Ungefähr ein Zwölftel der Exporte von Indonesien, Malaysia, den Philippinen, Thailand und Vietnam gehen nach China.