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  FTD-Serie: Analyse des Desasters

Was gestern vor einer Woche noch unvorstellbar war, ist heute Wirklichkeit: Investmentbanken implodieren, die US-Regierung verstaatlicht mit Hilfe der Fed den größten US-Versicherer und der deutsche Einlagensicherungsfonds scheint auch nicht mehr so sicher wie geglaubt. FTD.de analysiert und kommentiert die unglaublichen Vorgänge.

Merken   Drucken   16.09.2008, 07:56 Schriftgröße: AAA

Internationale Pressestimmen: "Die Krise fängt jetzt erst richtig an"

Wer ist der Nächste? Das fragen sich die Kommentatoren der internationalen Tageszeitungen mit Blick auf die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Lob erhält der US-Finanzminister, denn Henry Paulson will kollabierende Banken künftig ihrem Schicksal überlassen.
"Nepszabadsag" (Budapest, Ungarn):
"Nachdem solche Giganten ins Wanken geraten oder eingestürzt sind, von denen dies niemand niemals geahnt hätte, fragt sich jetzt der Normalverbraucher: Wer ist der nächste? Die Kreditkrise ist nicht zu Ende - es ist zu befürchten, dass sie jetzt erst richtig anfängt."
"Der Standard" (Wien, Österreich):
"Eines hat das vergangene Jahr gelehrt: Es gibt keinen raschen, schmerzlosen Ausweg aus dem Schlamassel, in das gierige Manager und achtlose Aufseher die Finanzwelt geführt haben. Banken und Anleger müssen gezwungen werden, Risiko wieder richtig einzuschätzen und nur in jene Papiere zu investieren, die sie verstehen. Der Weg dorthin ist hart. Aus Angst vor dem Mega-Kollaps haben Notenbanker und Regierungen den Banken jahrelang Freifahrtscheine ausgestellt, die von diesen hemmungslos missbraucht wurden. Wenn das US-Bankensystem die Krise übersteht, dann könnte wieder Vernunft in die Finanzwelt einkehren. Aber die nächsten Tage werden die Welt noch viel an Nerven kosten."
"La Tribune" (Paris, Frankreich):
"US-Finanzminister Henry Paulson  wird wirklich die Bazooka herausholen. Und sich nicht mehr damit begnügen, jedes Wochenende einen neuen Untergang in der amerikanischen Finanzwelt abzuwenden. Die Märkte lassen ihm kaum eine Wahl. Ende Juli spielte der US-Finanzminister noch den starken Mann und versicherte, dass er schon bei einer bloßen Erwähnung einer Staatshilfe für die größten Hypo-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac keinen Finger mehr rühren würde. Vor acht Tagen musste er ihre faktische Verstaatlichung akzeptieren. Die Paulson-Methode stößt klar an ihre Grenzen. Zuerst verlegte er sich auf die Verschärfung der Regeln. Doch die können vielleicht die nächste Krise abwenden, aber nicht die aktuelle. Dann hat Henry Paulson vom Rettungsplan für Bear Stearns bis heute auf die Regelung jedes Einzelfalls gesetzt. Das hat zwar verhindert, dass eine spektakuläre Insolvenz zur Systemkrise führt. Doch das ersetzt keine Politik. Der Finanzplanet kann nicht bis zur US-Wahl am 4. November warten."
"Tages-Anzeiger" (Zürich, Schweiz):
Bilderserie Bilderserie: Das Drama um Lehman
"Das amerikanische Finanzsystem durchläuft die schlimmste Krise seit der Depression der frühen 30er Jahre. Das Vertrauen der Investoren ist stark angeschlagen, nicht einmal die Banker trauen einander noch über den Weg. Dies erklärt, warum eine Rettung des Traditionshauses Lehman Brothers so schwierig ist und warum die 158 Jahre alte Bank wahrscheinlich liquidiert werden muss. Die Finanzkrise ist das Produkt einer langen Phase des extremen Laisser-faire in der Politik und der viel zu lockeren Geldpolitik eines Alan Greenspan. Es wird nicht Wochen oder Monate dauern, bis die Trümmer dieser Ära weggeräumt sind. Es wird wohl Jahre brauchen, die Banken zu stabilisieren und eine neue Kultur der kontrollierten Risikofreude heranzubilden. Darin liegt die vorrangige Aufgabe einer Regierung, nicht in der "Rettung" von maroden Finanzhäusern."
"Information" (Kopenhagen, Dänemark):
"US-Finanzminister Hank Paulson hatte kaum die Papiere zur Nationalisierung der Hypothenbanken Fannie Mae und Freddie Mac unterschrieben, als dasselbe Klagelied von der bekannteren Investmentbank Lehman Brothers losging. Das Eingreifen Paulsons im ersten Fall war notwendig. Über 80 Prozent der privaten Immobilienkredite waren hier aufgenommen. Aber es gibt Grenzen für das, was eine Regierung tun kann und soll. Denn die US-Regierung hat ja nicht zum ersten Mal eingegriffen. Dadurch ist eine Erwartungshaltung entstanden, wonach der Staat eine Art Sicherheitsnetz schafft, wenn Finanzeinrichtungen in Not geraten. Diese Auffassung versucht Paulson jetzt entgegenzuwirken. Deshalb hat er am Wochenende signalisiert, dass die Bush-Regierung nicht eingreifen und auch Lehman Brothers übernehmen wird. Das zeugt von Paulsons gesundem Menschenverstand."

Teil 2: "Ein fast undenkbares Ereignis"

  • FTD.de, 16.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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