"Braunschweiger Zeitung":
„Es wäre unklug, die Debatte über Köhlers immer wahrscheinlicher werdende zweite Amtszeit lediglich mit Blick auf seine wenig fesselnden Redner-Auftritte zu führen. Wichtiger ist, was für Horst Köhler spricht: Er hat die Unabhängigkeit seines Amtes zu wahren gewusst - nicht nur bei der Verhinderung des Luftsicherheitsgesetzes 2006. Überhaupt will er nicht bloß Ringelpiez-Präsident sein. Immer wieder hat er seine Reform-Appelle bewusst übers übliche Maß präsidialer Ermunterung hinausgetrieben. Er kann auch ungemütlich werden. Hinzu kommt: Köhler ist im Volk beliebt, ist unbedingt mehrheitsfähig in der Bundesversammlung und persönlich alles andere als amtsmüde. Man darf ihm also schon mal Glück wünschen für die zweite Amtszeit. Und gute Redenschreiber.“
"Landeszeitung": (Lüneburg)
„Horst Köhler ist kein alter Parteisoldat, der es durch alle Gremien und Instanzen bis zum höchsten Amt im Staate geschafft hatte, sondern ein ausgewiesener Wirtschaftsexperte, unabhängig vom Parteiengeschacher. Das macht ihn stark und beliebt zugleich beim Volk, weit weniger beliebt hingegen bei Politikern. Der Bundespräsident hat in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit nie ein Blatt vor den Mund genommen, sich entgegen den Gepflogenheiten seiner Vorgänger sogar öffentlich und kritisch geäußert zu Themen der Tagespolitik. Die Deutschen sind heilfroh darüber, dass sie nicht repräsentiert werden von einem, "Frühstücksdirektor", sondern von einem kritischen Geist. So bleibt den großen Parteien nichts anderes übrig, als dem unbequemen Köhler eine zweite Amtszeit anzutragen. Was auch immer die Motive der Parteien sind: Hauptsache ist, dass uns Köhler erhalten bleibt!“
"Badische Neueste Nachrichten": (Karlsruhe)
„In der Hauptstadt hat sich Köhler ins Abseits manövriert, im politischen Berlin spielt er kaum eine Rolle, seine Reden verhallen ungehört. Und doch ist es gerade diese Unabhängigkeit, die ihn stark macht. Auch wenn sie ihn nicht mögen, Union und SPD werden ihn im Amt bestätigen und ihn damit in eine Reihe mit seinen Vorgängern Theodor Heuss, Heinrich Lübke und Richard von Weizsäcker stellen. Keine schlechte Bilanz für einen Außenseiter.“
"Westdeutsche Zeitung" (Düsseldorf):
„Es wird nicht einfach werden, im Wahlkampf und nach der Bundestagswahl 2009 regierungsfähige Mehrheiten zusammenzubringen. Umso wichtiger wird es sein, dass die Personalie Bundespräsident rechtzeitig überparteilich entschieden ist und nicht mehr zwischen die parteipolitischen Mühlsteine gerät. Die SPD tut gut daran, anders als 2004 diesmal auf einen eigenen Kandidaten zu verzichten. Sie könnte diesen Kandidaten nur mit Hilfe der Gysi- und Lafontaine-Linken durchsetzen - das aber würde sie zerreißen, vier Monate vor der Bundestagswahl.“
"Bayerische Rundschau" (Kulmbach):
„Die Verfassung stellt es sozusagen in das persönliche Ermessen des Staatsoberhaupts, ob er der Frühstücksdirektor der Nation oder dessen politisch-moralisches Herz sein will. Was Horst Köhler angeht, so gab es neben Roman Herzog kaum einen Bundespräsidenten, der so konsequent auf das süße Leben verzichtete. Seine Kritik an der Reformunwilligkeit der Regierung Merkel, seine Gesetzesablehnungen verraten ein imponierendes Maß an Unabhängigkeit.“