Dani Rodrik ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Kennedy School of Government der Universität Harvard.
Wenn es auf der Welt gerecht zuginge, würden die meisten Schwellenmärkte die Finanzkrise, die derzeit die hoch entwickelten Volkswirtschaften der Welt im Griff hat, nur von außen betrachten - vielleicht nicht unberührt, aber auch nicht allzu besorgt. Ausnahmsweise sind es nicht ihre Exzesse, die die Finanzmärkte in Brand gesteckt haben, sondern die der Wall Street.
Die Auslands- und Finanzpositionen der Schwellenmärkte waren - dank der bitteren Lehren, die sie aus ihrer krisenanfälligen Geschichte gezogen hatten - stärker denn je. Man hätte diesen Ländern sogar ein wenig Schadenfreude zugestehen können angesichts der Schwierigkeiten, in denen die USA und andere reiche Länder derzeit stecken. Auch Kinder entwickeln ja eine gewisse Freude, wenn die eigenen Eltern in genau jene Schwierigkeiten geraten, vor denen sie den Nachwuchs stets so nachdrücklich gewarnt haben.
Stattdessen leiden die Schwellenmärkte unter Finanzverwerfungen von möglicherweise historischen Ausmaßen. Die Befürchtung ist nicht mehr, dass sie nicht in der Lage sein werden, sich abzuschotten, sondern dass ihre Volkswirtschaften in sehr viel tiefere Krisen hineingezogen werden könnten als jene, die man im Epizentrum des Debakels der Finanzwirtschaft erleben wird.
Viele Länder haben aus Fehlern gelernt
Einige dieser Länder hätten es besser wissen und sich eher schützen sollen. Island etwa, das sich im Wesentlichen in einen hochgradig fremdkapitalisierten Hedge-Fonds verwandelt hatte, kann wenig zu seiner Entschuldigung vorbringen. Argentinien, das Enfant terrible des internationalen Finanzsystems, war immer für einen Griff in die Trickkiste gut, der die Anleger verschrecken würde - in diesem Fall die Verstaatlichung seiner privaten Pensionsfonds.
Doch haben die Finanzmärkte kaum Unterschiede zwischen diesen Ländern und anderen wie Mexiko, Brasilien, Südkorea oder Indonesien gemacht, die bis vor ein paar Wochen noch als Muster finanzieller Gesundheit dastanden.
Man bedenke etwa, was Südkorea und Brasilien passiert ist. Beide Volkswirtschaften hatten vor nicht allzu langer Zeit Währungskrisen erlebt, und beide versuchten in der Folge ihre finanzielle Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Sie verringerten die Inflation, gaben ihre Währungen frei, erwirtschafteten Leistungsbilanzüberschüsse oder nur geringe Defizite und häuften vor allem Berge von Devisenreserven an (die inzwischen ihre kurzfristigen Auslandsschulden übersteigen). Brasiliens solides Finanzgebaren wurde erst im April dieses Jahres belohnt, als Standard & Poor's sein Kreditrating auf "Investment Grade" erhöhte. Südkorea hat ein solches Rating schon seit Jahren.