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Merken   Drucken   27.01.2009, 10:12 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Achtung, zerbrechlich!  

Die USA beschuldigen Peking der Währungsmanipulation - ein falsches Signal zur falschen Zeit. China steckt in einer schweren Wirtschaftskrise und wird bald als Partner gebraucht. von Sabine Muscat
Menschen, die im Jahr des Ochsen geboren wurden, sind geduldig, sprechen wenig und flößen anderen Vertrauen ein, sagt das chinesische Horoskop. Wenn sie aber sprechen, entpuppen sie sich als sture Exzentriker, die leicht über ihr Ziel hinausschießen. Chinesen in aller Welt feierten am Montag das alle zwölf Jahre wiederkehrende Ochsenjahr. Auch Amerikas designierter Finanzminister Timothy Geithner , der als Student Chinesisch gelernt hat, wurde 1961 unter diesem Zeichen geboren. Leider scheinen die Schattenseiten dieses Sternzeichens auch auf ihn zuzutreffen.
Obwohl dies Geithners Jahr sein müsste, hat 2009 nach dem gregorianischen Kalender für den Hoffnungsträger der Wall Street eher als Ochsentour begonnen. Erst kamen seine Steuerversäumnisse aus früheren Zeiten ans Licht - und letzte Woche feuerte der als Chef der New Yorker Zentralbank für seine Besonnenheit bekannte 47-Jährige den ersten Schuss der neuen US-Regierung auf China. Dass Geithner auf den zerbrechlichen sinoamerikanischen Beziehungen herumtrampelte, fand niemand so richtig gut, schon gar nicht die Wall Street, die weiß, dass die beiden Wirtschaftsmächte die aktuelle globale Krise nur gemeinsam lösen können.
Im Ton vergriffen
Als Geithner das M-Wort gebrauchte, ging ein Raunen quer über den Pazifik: Wo Finanzminister Henry Paulson in den letzten Jahren im Zusammenhang mit Chinas Währung von "Ungleichgewichten" gesprochen hatte, um die Chinesen nicht zu verärgern, sprach Geithner von "Manipulation" - ein Tabubruch. Pekings Zorn war programmiert und folgte prompt. Auch wenn Geithners Vorwurf in der Sache richtig sein mag, hat er den sinoamerikanischen Beziehungen damit nicht gedient. Chinas Regierung an den Pranger zu stellen war das falsche Signal zur falschen Zeit. Und der Vorwurf, China verzerre die Handelspreise mit Subventionen an seine Exportwirtschaft, kam von falscher Stelle - nämlich aus Washington, wo man gerade damit beschäftigt ist, die Autobranche zu nationalisieren.

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