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Merken   Drucken   28.10.2008, 09:30 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Autobauer - Weltmeister im Jammern  

Der Staat sollte strauchelnde Autofirmen nicht finanziell unterstützen. Die Gesellschaft braucht neue ökologische Mobilitätskonzepte, keine überholten Geschäftsmodelle. von Kristina Spiller
Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Nach dem Debakel der US-amerikanischen Automobilindustrie schlittern auch die Europäer in eine Krise, wie sie die Hersteller seit dem Weltkrieg nicht erlebt haben. Immer mehr Konzerne kassieren ihre Gewinnziele, ob die französischen Hersteller Renault und Peugeot oder das einstige Symbol für deutsche Wirtschaftskraft: Daimler.
Zusätzlich zur Flaute auf den Absatzmärkten macht den Herstellern und Zulieferern die Finanzkrise zu schaffen; der Kreditfluss trocknet aus. Massiv rufen sie nun nach staatlicher Hilfe. Die Wertschöpfungkette im Autobau dürfe nicht bei der Finanzierung abbrechen, warnt der Branchenverband VDA. Strauchelnde Firmen, etwa Zulieferer, müssten nun auch direkt gestützt werden. "Die Hersteller können nicht die Aufgabe der Banken übernehmen." Die Krise der Autoindustrie, so die Botschaft, geht die gesamte Gesellschaft an.
Hysterie um Schlüsselbranche
Wie absurd. Glauben die Autobauer und ihre Lieferanten tatsächlich, dass sie gesellschaftlich so wertvoll sind, dass der Staat sie nach Kräften unterstützen muss? Es ist verführerisch, der Hysterie um den Zustand der Autoindustrie nachzugeben, zumal die Branche mit ihren rund 750.000 Beschäftigten tatsächlich eine der Schlüsselindustrien Deutschlands ist. Und doch wäre es der falsche Schritt, jetzt den Staatssäckel zu öffnen. Eine Kettenreaktion wie in der Finanzbranche mit Gefahren für die Stabilität der gesamten Gesellschaft ist in der Autoindustrie nicht zu erkennen. Daimler beispielsweise erwartet dieses Jahr 1 Mrd. Euro weniger Betriebsgewinn als noch vor wenigen Monaten. Doch noch immer sollen es 6 Mrd. Euro werden. Zugleich sitzt der Konzern auf rund 10 Mrd. Euro Barmitteln. Im Minus liegt kein einziger europäischer Hersteller.
Das Wohlergehen der Autobranche ist kein gesellschaftlicher Wert an sich. Wichtig ist ein Plan, wie unsere Mobilität in Zukunft aussehen soll. Dabei geht es nicht nur um das Auto. Eher fehlt ein Konzept, wie wir uns von fossilen Energieträgern lösen, das Klima schützen, den Verkehr intelligent steuern können und zugleich möglichst mobil bleiben. Denn darauf baut unser Wohlstand auf. Bahn, Bus, Auto - jedes Transportmittel birgt dafür Chancen. Welchen Weg wir auch immer einschlagen, nur er betrifft die Zukunft unserer Gesellschaft und sollte mit öffentlichen Geldern gefördert werden.
  • Aus der FTD vom 28.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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