Der scheidende Ministerpräsident des Landes, Günter Beckstein, und sein designierter Nachfolger Horst Seehofer haben wegen der neuen Milliardenlöcher bei der Bank personelle Konsequenzen im Vorstand der BayernLB gefordert. "Ich lege der amtierenden Regierung nahe, mit den Verantwortlichen der Landesbank über ihre persönliche Verantwortung zu reden", sagte Seehofer. Und Beckstein sagte, nicht die Verwaltungsratsmitglieder, sondern der Vorstand trage die Verantwortung für das Desaster. Beckstein selbst war übrigens bis Oktober 2007 Mitglied des Verwaltungsrates – wen überrascht da die Aussage?
Nun ist für Donnerstagabend eine Verwaltungsratssitzung bei der BayernLB einberufen worden. Befürchtet wird in der Bank inzwischen, dass Institutschef Michael Kemmer nach nur acht Monaten im Amt abtreten muss. Und angesichts der Tatsache, dass der Vorstand am Morgen in einem gemeinsamen Brief die Vertrauensfrage an den Verwaltungsrat gestellt hat, ist auch nicht auszuschließen, dass mehrere Vorstände gehen werden.
Vermeidbare Katastrophe für die Bank
Das wäre eine echte - und vermeidbare - Katastrophe für die Bank. Die Politiker suchen einen Sündenbock – die Opfer werden am Ende aber nicht nur die möglicherweise betroffenen Vorstände sein, sondern die Bank als Ganzes. Nichts wäre für das Institut derzeit schlimmer als ein Führungsvakuum. Wahrscheinlich ist, dass die Bank, die dem Vernehmen nach ohnehin große Probleme bei der Refinanzierung an den Märkten hat, dann überhaupt kein Geld mehr bekommen wird. Wer will in diesen Zeiten schon einer Bank Geld leihen, die nicht nur Milliardenverluste macht, sondern darüber hinaus im Führungschaos steckt?
Zugegeben – die Bank will ja ohnehin unter den Rettungsschirm der Bundesregierung schlüpfen. Allerdings wird das noch einige Tage dauern – und eine Bank kann derzeit binnen weniger Stunden in Teufels Küche kommen. Außerdem will die BayernLB ja "nur" Eigenkapital von der Bundesregierung haben, Garantien für das Interbankengeschäft sind derzeit nicht geplant – refinanzieren will sich die Bank also weiterhin "garantielos". Die Politiker sollten sich wenigstens kurz einmal mit dem Ein-Mal-Eins der Märkte beschäftigen, um zu verhindern, dass sie ihre eigene Bank durch voreilige Forderungen ins Verderben führen.
Denn die Frage stellt sich ja auch: Wer soll die Bank denn künftig führen, sollte Kemmer gehen? Der BayernLB-Chefsessel wirkt momentan wie ein Schleudersitz – fraglich, ob viele qualifizierte Manager Schlangen stehen werden, um diesen Job zu übernehmen. Zumal die Bank ja möglicherweise im kommenden Jahr mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) fusionieren wird – und die Führung dieser Bank wohl LBBW-Chef Siegfried Jaschinski übernehmen würde. Die BayernLB muss zudem restrukturiert werden, Jobs müssen abgebaut werden – das ist kein Posten, um den sich die deutschen Topbanker reißen. Zumal der Vorstandschef der BayernLB nur noch 500.000 Euro verdienen darf, da die Bank die Bundeshilfen in Anspruch nimmt. Für die meisten Topmanager sind das "Peanuts".
Kemmer gilt als exzellenter Fachmann
Gut möglich, dass Kemmer am Wochenende unehrlich war, als er den Politikern der CSU und der FDP mitteilte, der Kapitalbedarf der Bank liege bei 3 bis 5 Mrd. Euro, wobei der höhere Betrag wahrscheinlicher sei. Letztendlich braucht das Geldhaus 6,4 Mrd. Euro. Gut möglich aber auch, dass Kemmer es in einer Zeit, in denen Werte für Abschreibungen in einer Bank sich jede Minute in drastischem Ausmaß ändern können, es wirklich nicht besser wusste und wissen konnte.
Kemmer hat einen sehr guten Ruf in der Bankbranche. Er gilt nicht nur als angenehmer, bodenständiger Zeitgenosse, sondern auch als exzellenter Fachmann. Die Populisten an der Macht sollten sich gründlich überlegen, ob die Bank es sich leisten kann, ihn zu verlieren.