Endlich gibt eine Bank zu: Wir brauchen das Rettungspaket der Bundesregierung. Die BayernLB ist die erste deutsche Bank, die sich öffentlich dazu bekennt. Das ist mutig. Denn eine Bank muss die erste sein. Und damit den Weg ebnen für andere, die sich bislang aus Angst vor einer Stigmatisierung und möglicherweise damit einhergehenden Einbrüchen ihrer Aktienkurse oder einer weiteren Verteuerung ihrer Refinanzierung nicht trauen, ihre Not öffentlich einzugestehen.
Viele deutsche Banker sagen inzwischen, dass amerikanische Rettungsmodell sei dem deutschen Modell bei weitem überlegen. Die US-Regierung hatte neun große US-Banken gezwungen, Staatsgeld anzunehmen. Damit verhinderte sie, dass die Institute aus Angst vor einer öffentlichen Abstrafung so lange ohne Staatsgelder ausharren, bis sie kurz vor dem Kollaps stehen und dann doch wieder in dramatischen Nacht-und Nebel-Aktionen mit verheerenden Auswirkungen auf die Märkte gerettet werden müssen.
In Deutschland besteht die Gefahr, dass das so kommt. Dazu dürften auch Äußerungen von Deutsche-Bank-Chef
Josef Ackermann beitragen. Gestern sagte er in einem Interview: "Ich würde mich schämen, wenn wir Staatsgeld annehmen würden." Dabei war Ackermann einer derjenigen, die am lautesten nach Staatshilfe riefen, als vor wenigen Wochen der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) vor dem Zusammenbruch stand.
Er sollte sich daher mit derartig drastischen Äußerungen zurückhalten. Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, sich auf Kosten anderer Institute und auch zum Schaden der eigenen Bank öffentlich profilieren zu wollen. Die Bankbranche sollte nicht erst lautstark nach einem Eingriff des Staates krähen, um sich anschließend von eben dieser ebenso lautstark zu distanzieren - und dadurch die Banken stigmatisieren, die mutig genug sind, ihre Probleme einzugestehen.
Fusion in Sicht
Zahlreiche Banken könnten in den kommenden Wochen auf Staatshilfe angewiesen sein. Insbesondere, wenn der Gesetzgeber, wie erwartet wird, die Eigenkapitalanforderungen bei Banken hochschraubt. Dann könnten auch die Geldhäuser Bedarf bekommen, die heute noch keine gravierenden Probleme haben.
Dass die Staatshilfen auch ihr Gutes für den Finanzplatz Deutschland haben könnten, zeigen Äußerungen des bayerischen Finanzministers Erwin Huber (CSU). Montagmorgen sagte er, die BayernLB stehe vor einer gravierenden Neuausrichtung: "Dazu zählen private Miteigentümer ebenso wie Fusionen oder Kooperationen, auch eine mögliche Südbank mit der Landesbank Baden-Württemberg."
Das aus seinem Munde zu hören ist fast spektakulär. Denn bislang hatte sich Huber, vor allem aus Angst vor einem Bedeutungsverlust des Finanzplatzes München, gegen eine Fusion der BayernLB mit der LBBW gesträubt. Doch die Bundesregierung sitzt nun bald als Miteigner der BayernLB mit am Tisch - und sie dringt seit langem auf Zusammenschlüsse zwischen den noch sieben selbstständigen Landesbanken. Zudem gilt auch der designierte neue bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) als Anhänger einer Fusion.
Durch den Einstieg des Bundes bei Landesbanken könnte endlich richtig Bewegung in das Fusionsroulette kommen. Die Egoismen der einzelnen deutschen Bundesländer - die aus Angst vor Jobverlusten und Prestigeeinbußen an ihren Landesbanken klammerten - könnten dadurch endlich in den Hintergrund treten.