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Merken   Drucken   03.11.2005, 14:17 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Bildung bleibt ein Privileg  

Der Pisa-Schock hat gewirkt. Die neue Schulvergleichs-Studie zeigt für fast alle Bundesländer spürbare Verbesserungen, auch wenn die Fortschritte nur langsam greifen. Skandalös groß sind aber immer noch die sozialen Unterschiede bei den Bildungschancen. von Ludwig Greven
So ist ausgerechnet im seit Jahrzehnten sozialdemokratisch regierten Bremen die Chance eines Arbeiterkindes, Abitur zu machen, am geringsten. Aber auch in den anderen Bundesländern haben nach wie vor Kinder aus den oberen sozialen Schichten weit bessere Bildungschancen - ein Armutszeugnis nach drei Jahrzehnten Bildungsreform.
Die möglichst frühe Förderung leistungsschwacher Schüler und von Kindern aus den unteren Sozialschichten und aus Einwandererfamilien hat deshalb weiterhin oberste Priorität. Schließlich hinkt Deutschland im internationalen Vergleich insgesamt anderen Ländern immer noch weit hinterher, auch wenn sich die Unterschiede zum Teil erfreulicherweise verringert haben.
Dass sich Änderungen an den Schulen und bei den Lehrplänen lohnen, zeigen die Ergebnisse der Leistungstests. So haben bei den mathematischen Fähigkeiten und der Lesekompetenz, mehrere Bundesländer, die bei der ersten Pisa-Studie besonders schlecht abschnitten, deutlich aufgeholt. Trotzdem bleibt es auch hier ein Skandal, dass zwischen gleichaltrigen Schülern etwa aus Bayern und Bremen bei den Kenntnissen ein rechnerischer Unterschied von eineinhalb Schuljahren klafft.
Union und SPD sollten deshalb bei ihren Koalitionsverhandlungen in Berlin trotz aller Haushaltsnöte bei der Bildung nicht sparen, sondern noch mehr Geld, Energie und politischen Ehrgeiz in die Schulen stecken. In unserer heutigen, schrumpfenden Wissensgesellschaft verspricht dies von allen Investitionen langfristig den höchsten Ertrag.
  • FTD.de, 03.11.2005
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