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Merken   Drucken   16.03.2008, 17:51 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Böse Onkel  

Barack Obama hat im Vorwahlkampf der Demokraten schon ein paar Niederlagen einstecken und ein paar üble Angriffe parieren müssen. Seinen Favoritenstatus hat das zuletzt nicht in gefährdet. von Christian Schütte
Er liegt rechnerisch vor Hillary Clinton , und deren verzweifelte Attacken perlten an dem jungen schwarzen Hoffnungsträger bisher stets nur ab. Die seit einigen Tagen kursierenden Videoaufnahmen des Predigers, bei dem die Familie Obama daheim in Chicago regelmäßig in die Kirche ging, könnten das dramatisch ändern. Das Phänomen Obama  Strahlemann ist in Gefahr, seit Millionen Wähler sehen, wie der schwarze Reverend Jeremiah Wright theatralisch Verschwörungstheorien ausbreitet und die USA schmäht.
Obama hat sich von dem "alten Onkel" distanziert, bei dessen schlimmen Reden er nicht dabei gewesen sei, dessen Thesen er nicht alle teile und dem er auch nur treu geblieben sei, weil er ohnhin kurz vor der Pensionierung stand. Doch den Schatten, der auf ihn selbst gefallen ist, wird Obama so einfach nicht los. Sein großer Vorteil, dass er in der US-Politik bislang ein fast unbeschriebenes Blatt war, ist auch sein großes Risiko. Weil die Leute ihn - anders als die Polit-Veteranen Clinton oder John McCain - nicht besonders gut kennen, hat jede neue Information über sein Vorleben besonderes Gewicht.
Und was in den Wright-Videos zu sehen ist, wird viele weiße Wähler zutiefst verstören. Da ist nichts von dem versöhnenden Ton, der alte Rassenkonflikte überwindet und eine neue Vision für Amerika eröffnet. Da ist statt dessen jemand zu erleben, der Wut und Rassenkonflikt predigt und der beste Kontakte zu Louis Farrakhan pflegt, dem rassistischen schwarzen Führer der Nation of Islam. Obama wird jetzt sehr hart kämpfen müssen, um die Wähler davon zu überzeugen, dass er mit all dem nicht das Allergeringste zu tun hat.
  • FTD.de, 16.03.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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