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Merken   Drucken   24.07.2008, 14:46 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Bye bye Kirch  

Das Bundeskartellamt hat das geplante Bundesliga-Vermarktungsmodell gestoppt - und der Deutschen Fußball Liga damit eine schwere Schlappe beschert. Zur Trennung von Leo Kirch gibt es nun kaum eine Alternative. von Lutz Knappmann
Denn die Wettbewerbshüter haben mitnichten das Modell der Zentralvermarktung insgesamt verboten, sondern nur in seiner aktuellen Ausgestaltung durch die DFL. Die Kartellwächter werfen der Liga vor, die Beteiligung der Verbraucher zu wenig zu Berücksichtigen - und das Streben nach möglichst hohen Lizenzerlösen in den Vordergrund zu stellen.
Das spektakuläre Comeback des Medienzaren Leo Kirch  dürfte damit höchstwahrscheinlich enden, bevor es richtig losgegangen ist. Denn es ist nun nahezu ausgeschlossen, dass bei einer Rechteausschreibung tatsächlich Gesamterlöse von 500 Mio. Euro je Saison zusammen kommen, die Kirch ja garantiert. Es wäre schon jetzt absehbar, dass die für diese Summe bürgende Bank einspringen müsste. Das ist kein tragfähiges Geschäftsmodell.
Zudem würde sich die DFL mit einer Trennung von Kirch und seiner Vermarktungsagentur Sirius noch zwei anderer Probleme entledigen: Das Kartellamt bekundete in seiner Entscheidung Bauchschmerzen, weil Kirch als Gesellschafter des Medienunternehmens EM.Sport Media indirekt am Deutschen Sportfernsehen beteiligt ist. Heikel, denn das DSF ist potenzieller Käufer von Fußballlizenzen, die Kirch selbst vermarktet. Außerdem soll Kirchs Sirius ein fertiges Fußball-TV-Programm produzieren, dass die Pay-TV-Sender zwangsweise abnehmen sollten. Auch daran stößt sich das Kartellamt.
Steigt die DFL nun aus der Zusammenarbeit mit Kirch aus, bliebe vermutlich alles beim Alten. Nicht mehr und nicht weniger. Das Kirch-Modell hätte den Fußballklubs pro Jahr rund 80 Mio. Euro mehr in die Kassen gespült als bisher. Das dürfte nach dem Kartellamtsvotum nun utopisch sein - und zwar egal ob mit Leo Kirch oder ohne.
Doch das stürzt die Liga noch lange nicht in eine tiefe Finanzkrise. Auch mit den bisherigen Einnahmen ist des Gelungen, Stars wie Luca Toni anzulocken - und die DFL zur im europäischen Vergleich profitabelsten Liga zu machen. Die Warnungen vor einer Existenzkrise des deutschen Fußballs waren Horrorszenarien, von denen die Debatte um die Bundesligarechte seit Monaten geprägt ist.
  • FTD.de, 24.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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