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Merken   Drucken   19.06.2009, 13:34 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Chameneis verpasste Chance  

Der oberste Führer im Iran lässt zum Freitagsgebet "Jubelperser" aufmarschieren und beschimpft die üblichen Verdächtigen. Dabei ist offensichtlich: Die Proteste richten sich nicht nur gegen Ahmadinedschad, sondern auch gegen ihn. von Silke Mertins
Ganz Iran schaute gebannt auf die Universität Teheran, dem traditionellen Ort der politischen Freitagsgebet: Ajatollah Ali Chamenei selbst hatte angekündigt, nach tagelangen Massenprotesten der Opposition das Wort zu ergreifen. Würde der oberste geistige Führer versuchen, der Protestbewegung die Hand zu reichen? Würde er die tiefe Kluft in der iranischen Bevölkerung überbrücken und einen Kompromiss finden für den Konflikt um den Vorwurf der Wahlfälschung?
Chamenei tat all das nicht. Er verpasste die Chance einer versöhnenden Geste. Er redete fast zwei Stunden zu einer ihm treu ergebenen Menschenmenge - darunter auch der angeblich wiedergewählte Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Unter dem Schah nannte man diese Art von Anhänger "Jubelperser". Heute jubeln vor allem Basidschis, Mitglieder einer Miliz, die den Revolutionsgarden unterstehen und mindestens fünf Million Männer mit militärischer Ausbildung umfassen. Sie sind jederzeit mobilisierbar. In Bussen wurden sie zur Uni gekarrt.
Der wichtigste Mann in der islamischen Republik, der in allen Belangen das letzte Wort hat, heizt damit den Konflikt weiter an. Die Demonstranten, die sich um ihre Stimme betrogen fühlen, werden vermutlich deshalb jetzt in noch größerer Zahl auf die Straßen ziehen. Dass Chamenei die hohe Wahlbeteiligung als Beweis dafür beschrieb, dass die Menschen das System lieben und dies für die Feinde Irans ein "Erdbeben" sei, ist blanker Zynismus. Es sind nur deshalb so viele zu den Wahlurnen geströmt, weil sie in Mirhossein Mussawi erstmals seit Jahren wieder eine Alternative sahen - eine Chance auf einen Wandel.

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