Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank gestaltet sich in der Schlussphase schwieriger, als die Beteiligten sich das ausgerechnet hatten. Ende November 2008 hatten sich die Noch-Muttergesellschaft Allianz und Commerzbank darauf verständigt, die Transaktion zu beschleunigen und schon im Januar 2009 zum Abschluss zu bringen. Für die restlichen 40 Prozent der Dresdner Bank-Anteile sollte die Commerzbank insgesamt 1,65 Mrd. Euro in bar an die Allianz zahlen.
Commerzbank-Chef Martin Blessing schloss seinerzeit für die Finanzierung dieser Transaktion eine zusätzliche Kapitalerhöhung aus und sprach davon, dass die Bezahlung aus vorhandener Liquidität kommen solle.
Inzwischen plant die Commerzbank ihre erste Refinanzierungstransaktion auf Basis der im vorigen Jahr vom staatlichen Stabilisierungsfonds Soffin bereitgestellten Garantien über insgesamt 15 Mrd. Euro. Zwar gibt es bisher keine Angaben zum Verwendungszweck des Emissionserlöses. Ganz abwegig ist die Vermutung aber nicht, dass er ganz oder teilweise zum Erwerb der restlichen Dresdner-Bank-Anteile eingesetzt werden soll.
Nun tauchen allerdings kurz vor Toresschluss neue Probleme auf. Es geht um die toxischen Vermögenswerte, die noch in den Bilanzen beider Banken, besonders aber der Dresdner Bank schlummern. Müssen hier erneut milliardenschwere Abschreibungen vorgenommen werden, schrumpft das Kernkapital des fusionierten Konzerns unter die aufsichtsrechtlich geforderten Quoten. Also muss dieses Problem aus der Welt, weil es bar jeglicher wirtschaftlicher Vernunft wäre, ausgerechnet in diesen Krisenzeiten eine kapitalschwache Großbank zu gründen.
Wichtige Rolle für die Allianz
Folglich ist wieder der Soffin gefragt, der über die gesetzlichen Möglichkeiten verfügt, den Banken toxische Bilanzposten abzukaufen und ihr Eigenkapital aufzurüsten. Hinter den Kulissen wird hart um eine Lösung gerungen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Allianz, die noch die Muttergesellschaft der Dresdner Bank ist und damit in der Pflicht steht. Es wäre kein gutes Signal, wenn die Dresdner Bank ausschließlich mit Staatshilfe brautfein gemacht werden würde.
Wie auch immer die Geschichte ausgeht, der Staat wird eine gewichtige Rolle beim Zustandekommen der Fusion von Dresdner und Commerzbank gespielt haben. Nicht nur, dass die Konsolidierung wenigstens dieses Teils des deutschen Bankensektors politisch überaus erwünscht war. Letztlich hätte der Staat auch einen beachtlichen finanziellen Beitrag geleistet.
So haben sich die Beteiligten das sicher nicht vorgestellt, als sie ihren Fusionsplan Ende August des vorigen Jahres lanciert haben. Aber die Finanzkrise hat bekanntlich Striche durch viele Rechnungen gemacht. Umso mehr stehen die Akteure jetzt in der Pflicht, ein Ergebnis hinzubekommen, das den Einsatz der Staatsgelder auch rechtfertigt.