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  FTD-Serie: Analyse des Desasters

Was gestern vor einer Woche noch unvorstellbar war, ist heute Wirklichkeit: Investmentbanken implodieren, die US-Regierung verstaatlicht mit Hilfe der Fed den größten US-Versicherer und der deutsche Einlagensicherungsfonds scheint auch nicht mehr so sicher wie geglaubt. FTD.de analysiert und kommentiert die unglaublichen Vorgänge.

Merken   Drucken   03.11.2008, 10:32 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Commerzbank beweist Mut  

Nach roten Zahlen im dritten Quartal greift die Commerzbank nach staatlichen Hilfen. Der Schritt ist mutig - und dürfte den Durchbruch für das Rettungspaket der Bundesregierung markieren. von Christine Mai
Na bitte, es geht doch. Wochenlang haben sie sich geziert, jetzt greifen auch die privaten Banken nach dem Rettungsanker, den die Bundesregierung für den Sektor ausgeworfen hat. Mit der Commerzbank zapft die zweitgrößte Bank des Landes das Paket an - und das nicht zu knapp.
Mehr als 8 Mrd. Euro an Eigenkapital holt sich das Institut, zudem sichert es sich eine Garantie für Schuldverschreibungen über 15 Mrd. Euro. Die damit verbundenen Auflagen - keine Boni 2008 und 2009, keine Dividende 2009 und 2010, ein Gehalt von 500.000 Euro für Chef Martin Blessing  - sind hart, haben die Bank aber nicht abgeschreckt. Die hohen Belastungen im dritten Quartal, die die Commerzbank in die roten Zahlen drückten, ließen wohl auch keine andere Wahl.
Börse reagiert positiv
Es dürfte der Durchbruch für das Rettungspaket sein, zumal die Börse positiv auf den Schritt reagierte. Nun zeigt sich, dass die Bundesregierung Recht hat mit ihrem Ansatz, die Banken kommen zu lassen. Sie hat darauf gesetzt, dass die Bankmanager verantwortungsvoll genug sind, die Hilfen zu nutzen, wenn wirklich Not am Mann ist, aller Auflagen und möglicher Stigmatisierung zum Trotz. Gleichzeitig bleibt den Instituten Raum, zumindest vorerst andere Kapitalgeber anzuzapfen, wie es die Postbank vergangene Woche getan hat - oder, wie im Falle der Deutschen Bank, es allein zu versuchen.
Die Commerzbank  hat Mut gezeigt. Nachdem sich die privaten Banken offensichtlich nicht darauf einigen konnten, das Paket gemeinsam zu nutzen, ist sie vorangegangen. Es muss sich noch zeigen, ob und wie der neue Einfluss des Bundes sich auf die geplante Übernahme der Dresdner Bank auswirkt, aber vorerst sind die "Gelben" gestärkt. Mit einer Kernkapitalquote unter Basel II von 11,2 Prozent überflügeln sie nicht nur die Deutsche Bank, sondern schließen auch im internationalen Vergleich auf.
Die Deutsche Bank  hat ebenfalls Mut gezeigt, auch wenn sie sich diametral entgegengesetzt positioniert hat. Ihr Chef Josef Ackermann  hat sich weit aus dem Fenster gelehnt. Zwar schränkte er ein, "aus heutiger Sicht" werde sein Haus die staatliche Unterstützung nicht in Anspruch nehmen. Nach seinen erneuten markigen Ankündigungen kann er es sich aber dennoch kaum leisten, später eine Kehrtwende zu vollziehen und doch den Staat anzupumpen.

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01:50:41 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Deutsche Bank 29,39 EUR   +1,07%  0.31
Commerzbank 1,38 EUR   -1,99%  -0.028
  • FTD.de, 03.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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