Auf den ersten Blick scheinen die harten Zahlen in der Tat nicht zu den enorm guten Umfragewerten der vergangenen Wochen zu passen. Nur sind es im Aufschwung natürlich immer jene auf Umfragen basierenden Frühindikatoren, die sich zuerst und am eindrucksvollsten beschleunigen. Die Wirklichkeit folgt. Gegen die Vermutung, dass dahinter nur Stimmung steckt, spricht zum anderen die Gleichförmigkeit, mit der sich derzeit fast überall die Erwartungen bessern. Auf ihre Höchstwerte seit New-Economy-Zeiten sind die Geschäftsklimaergebnisse des Ifo-Instituts und des DIHK gestiegen, ebenso wie die Umfragewerte bei Einkaufsmanagern, Mittelständlern und Analysten. Selbst die Konsumenten äußern so wenig Skepsis wie seit Jahren nicht.
Die Stimmung steigt, weil sich auch die Ausgangslage gebessert hat. Die deutschen Exporteure haben ihre ohnehin hohen Verkäufe weltweit noch einmal um ein Drittel gesteigert. Deutschlands totgesagte Industrie produziert zehn Prozent mehr als in der Krise 2003. Und selbst die chronisch beklagte Binnennachfrage legt wieder zu. Aus dem Inland bekommt die Industrie mittlerweile fast zehn Prozent mehr Aufträge als 2003.
Die Nachfrage am Wirtschaftsbau wächst seit kurzem mit zweistelligen Raten, während die Unternehmen ihre Ausrüstungsinvestitionen im Inland beeindruckend aufstocken und laut DIHK jetzt auch ihre Kapazitäten ausbauen. Seit Wochen steigt selbst die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs wieder - auch das erstmals seit fünf Jahren. All das sind harte Daten, keine Stimmung. Und sie deuten auf einen grundlegenden Wandel.
Natürlich reicht all das noch nicht, um auf Anhieb Millionen neue Jobs zu bringen. Das hat aber auch in früheren Aufschwüngen stets Zeit gebraucht. Entscheidend ist: Spätestens die jüngsten Positivttrends bei Investitionen und Jobs zeigen, dass der Aufschwung jetzt auch in Deutschland wieder nach ziemlich klassischem Muster funktioniert - und eine Eigendynamik entwickelt, die immer mehr neue Jobs bringen kann und Skeptiker schon für unmöglich erklärt hatten. Wenn es gelingt, diese Dynamik ohne neue Schocks wirken zu lassen, sind die Deutschen für neue Überraschungen gut.