Luke Johnson ist Chef des britischen Senders Channel 4, führt eine Private-Equity-Firma und ist Kolumnist der FT.
Die Wirtschaft macht gerade harte Zeiten durch, aber es könnte alles noch viel schlimmer werden. Nicht etwa, weil das Vertrauen für immer verloren ist oder weil es an Innovationen fehlt. Oder weil es kein Geld mehr auf der Welt gibt.
Was dem privaten Sektor wirklich Angst machen sollte, ist, dass der Staat seine Panzer auf dem Rasen des Kapitalismus geparkt hat. Das bedeutet Scherereien für alle, die investieren, Mehrwert und Jobs schaffen.
Der Konter gegen ein Wirtschaftssystem freier Märkte nimmt Fahrt auf. Von dümmlichen neuen Gesetzen rund um Hedge-Fonds und Private-Equity-Firmen, die die EU vorschlägt, über die Anhebung des Spitzensteuersatzes auf mehr als 50 Prozent in Großbritannien bis hin zur Verstaatlichung von Chrysler - der Sozialismus marschiert voran.
Ein Präsident auf dem Kriegspfad
Die Unternehmer konzentrieren sich derzeit darauf, Kosten zu senken, flüssige Mittel zu generieren, Vereinbarungen mit den Banken einzuhalten und mit dem insgesamt grauenhaften Umfeld klarzukommen. Tausende kämpfen ums wirtschaftliche Überleben.
Aber wenn sie diese Schlacht eines Tages gewonnen haben, dann wartet ein chronischer und vielleicht noch ermüdenderer Konflikt auf sie: das Ringen darum, den Staat daran zu hindern, sich so viel anzueignen und alles derart zu bürokratisieren, dass unternehmerische Tätigkeit letztlich die ganze Mühe nicht mehr wert ist.
In den USA ist ein neuer Präsident auf dem Kriegspfad, getragen von dem Wunsch, Rache zu nehmen. An der Regierung von George W. Bush, an den Superreichen und an der Wall Street. Die amerikanische Autoindustrie ist bankrott, weil ihre Beschäftigten massiv überbezahlt werden. Und weil ein schwaches Management mit einem politischen System zusammenkam, das Anreize setzte, die falschen Autos zu bauen. Die Antwort der Regierung besteht nun darin, Chrysler und General Motors mit Subventionen zu überschütten und die Unternehmen an die Gewerkschaften zu übertragen.
Meiner Meinung nach sind beide Organisationen zum gnadenlosen Niedergang verurteilt, weil ihre wahren operativen Probleme gar nicht angegangen worden sind und weil die Kapitalgeber betrogen wurden.
Eine drastisch steigende Umverteilung und Regulierung ist kaum der richtige Weg, um zur Schaffung neuen Wohlstands zu ermutigen. Diejenigen, die bereit sind, etwas zu riskieren, werden in einer mobilen Welt dort hingehen, wo ihre Fähigkeiten belohnt werden und die Chancen am größten sind.
Der Westen bietet ihnen eine Kombination aus niedrigem Wachstum und hohen Kosten. Und jetzt wenden sich die Regierungen in den USA und in Europa einer offen populistischen, wirtschaftsfeindlichen Politik zu.
Das mag den Politikern kurzfristig Applaus verschaffen. Aber auf längere Sicht wird es nur die Aussichten auf neue Arbeitsplätze und jegliche Hoffnung auf einen steigenden Lebensstandard zerstören.