Der Fall Bagdads könnte auch die Wirtschaft in Deutschland und der Euro-Zone beflügeln. Das Ölpreisrisiko ist gesunken, und die Unsicherheit, die vor dem Krieg die Wirtschaft lähmte, klingt langsam ab. Der Konjunkturindikator des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftforschung (ZEW) bestätigt diese Einschätzung. Er hat sich zwar im April insgesamt nur leicht verbessert, die nach dem Einmarsch in der irakischen Hauptstadt erhobenen Konjunkturerwartungen weisen eine kräftige Stimmungsaufhellung auf. Die früher abgegebenen Stimmen zeigen eine deutliche Verschlechterung.
Auch die Vertreter der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute wiesen bei der Vorstellung des aktuellen Frühjahrsgutachtens am Dienstag auf einen möglichen Impuls durch das Kriegsende hin. Allerdings ist unwahrscheinlich, dass daraus in naher Zukunft ein echter Aufschwung wird. Während die Forscher für die USA 2003 ein Wachstum von 2,4 Prozent prognostizieren, sagen sie für die Euro-Zone nur einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,9 Prozent voraus, in Deutschland werde das Plus sogar nur 0,5 Prozent betragen.
Der Grund für die europäische Wachstumsschwäche liegt auf der Hand: Während in den USA Geld- und Finanzpolitik die Wirtschaft kräftig stimulieren, ist der makroökonomische policy-mix in Europa weniger stimulierend. Das gilt besonders für Deutschland, wo die Finanzpolitik trotz der unsicheren Konjunkturlage durch Steuersenkungen und Ausgabenkürzungen die Wirtschaftsleistung dämpft, statt wie es ökonomisch geboten wäre, konjunkturbedingte Mehrausgaben und Mindereinnahmen hinzunehmen. Wie die Debatte um die Mehrwertsteuererhöhung zeigt, wird sich an diesem Grundfehler der deutschen Finanzpolitik auch in naher Zukunft wohl wenig ändern - und damit auch an der deutschen Wachstumsschwäche nicht.