Sommerferien für die Europäische Zentralbank? Das war einmal. Früher passierte in den Monaten Juli und August bei den Notenbankern nicht viel. Doch am heutigen Donnerstag trifft sich der EZB-Rat schon zum dritten Mal binnen vier Jahren zu einer heißen Augustsitzung.
Jetzt, wo sich überall in der Euro-Zone eine Stabilisierung der Konjunktur abzeichnet, erwartet niemand eine Zinsänderung. Die Mehrheit am Markt geht davon aus, dass die Zinsen auf ein Jahr hinaus oder länger bei einem Prozent bleiben. Aber eines wird die Sitzung deutlich machen: dass die EZB dieser Tage unter einer Art Persönlichkeitsspaltung leidet.
Instinktiv folgt die Notenbank dem Motto "Ruhe bewahren". Aktivismus - die Geldpolitik schnell oder vorbeugend an veränderte Wirtschaftsbedingungen anzupassen - schätzt man bei der Europäischen Zentralbank überhaupt nicht. Wie die hoch geschätzte Bundesbank, von der die EZB vieles geerbt hat, wahrt die Bank gern Distanz und wartet ab, wie sich die Dinge entwickeln.
Nach rasanten zehn Monaten, in denen die EZB die offiziellen Kreditkosten schneller und stärker gesenkt hat als je zuvor und Hunderte Millionen Euro ins Bankensystem gepumpt hat, scheint eine schöne, lange Sommerpause eigentlich genau das Richtige. Im September könnte man dann schauen, wie die globale Großwetterlage aussieht.