Auf den ersten Blick erscheint der umstrittene US-Großinvestor Guy Wyser-Pratte mit seinem Engagement bei IWKA als Sinnbild der "Heuschrecke", die sich aus dem Hinterhalt in ein deutsches Traditionsunternehmen einkauft, den Konzern ausschlachtet und zerschlägt und die Einzelteile mit Gewinn verkauft. Mit seinen teils widersprüchlichen Aussagen hat Wyser-Pratte die Sorge um die Zukunft des Konzerns zusätzlich geschürt.
Das aber ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Erst auf der außerordentlichen Hauptversammlung, die IWKA einberufen musste, um gleich sechs Aufsichtsräte zu ersetzen, wurden die Verdienste des gefürchteten Amerikaners für das Unternehmen deutlich: Ein Vorstand, der die Augen verschließt vor den strukturellen Problemen seines Unternehmens und ein Aufsichtsrat, der die Defizite zwar erkennt, aber dennoch untätig bleibt - das war IWKA vor Wyser-Pratte. Dass es dem Großinvestor im zweiten Anlauf gelungen war, den langjährigen IWKA-Chef Hans Fahr aus dem Amt zu drängen, stellt sich nun, da der Sanierer Wolfgang-Dietrich Hein das Sagen hat, fast als Glücksfall heraus.
Nur so kommen die strukturellen Schwächen des Unternehmens ans Licht, nur so wird Schluss gemacht mit den Quersubventionen zugunsten defizitärer Töchter. Ob die Strategie Heins zum Erfolg führen wird, ist heute noch völlig offen. Der von Wyser-Pratte erzwungene Strategiewechsel birgt aber zumindest die Chance, IWKA als Ganzes eines Tages wieder zu alter Ertragsstärke zurück zu führen.