Der Vorwurf kursiert seit Wochen, und er kommt vor allem von denen, die das Land regieren. Mit all den negativen Schlagzeilen und Prognosen werde die Lage nur schlimmer und die Krise erst herbeigeredet, lautet die Klage. Immerhin sei doch bekannt, dass Wirtschaft zum Gutteil mit Psychologie zu tun habe.
Die Fragen scheinen berechtigt. Ist es also unverantwortlich, jetzt über Rezession zu schreiben oder dies sogar vor Wochen schon getan zu haben, als alles noch gut wirkte? Kann so etwas Krisen auslösen? Das wäre schlimm. Nur gibt es einige Gründe, die dagegensprechen, zumal die Lage im Herbst 2008 mit hoher Wahrscheinlichkeit ernster ist, als es die Schlagzeilen lange vermuten ließen. Es kann nicht Aufgabe von Journalisten und Analysten sein, die Konjunktur schönzureden. Wahrscheinlich wäre es sogar besser gewesen, wenn in Deutschland noch viel mehr Beobachter noch viel früher und eindringlicher vor dem Absturz gewarnt hätten.
Wenn negative Schlagzeilen ausreichen würden, um Rezessionen auszulösen, hätte es in den vergangenen Jahrzehnten mindestens doppelt so viele Rezessionen geben müssen, wie es tatsächlich gab. Nach dem 11. September rauschten reihenweise wirtschaftliche Stimmungsindikatoren in die Tiefe. Es kursierten Rezessions- und andere Krisenprognosen. In Wirklichkeit begann in den USA kurz darauf der Aufschwung.
Erste Warnsignale im Juni
Ähnliches gilt für die Finanzkrise 1998/99. Als reihenweise Schwellenländer in Krisen taumelten, kursierten auch im Westen Krisenprognosen, war von Weltrezession die Rede. Und? Auch damals gab es einen Aufschwung. Selten wuchsen die großen Volkswirtschaften so wunderbar wie 1999 und 2000.
Das lässt vermuten, dass Stimmungen so wichtig dann auch nicht sind. Umfragen des Ifo-Instituts bei Unternehmen zeigen, dass die Lenker relativ gut und nüchtern einschätzen können, wie sich die Geschäfte tatsächlich entwickeln - und dass sie sich bei den eigenen Geschäften relativ wenig von allgemeinen Stimmungsausschlägen beeinflussen lassen. Ähnliches gilt für Verbraucher.