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Merken   Drucken   04.12.2008, 08:23 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Die Märchenonkel aus Detroit  

Die US-Autobauer reden ihre Lage schön. Sie schwärmen von Elektroautos und versprechen schwarze Zahlen. Doch die Industrie muss für Jahre an den Tropf des Staates. von Matthias Ruch und Kristina Spiller
Von wegen Krise. Von wegen Weltuntergang. Alan Mulally  strotzt vor Zuversicht. Schon in zwei Jahren werde sein Unternehmen die ersten Elektromodelle auf den Markt bringen, kündigt der Ford -Chef strahlend an. Und kurz danach - Abrakadabra - werde Ford sogar wieder schwarze Zahlen schreiben. Oh, wie schön ist die neue Autowelt in Amerika!
Mit der Realität hat dieses Szenario freilich nicht viel gemein. Ford steht ebenso wie der große Rivale General Motors  und der deutlich kleinere Konkurrent Chrysler mit dem Rücken zur Wand. Das Geschäftsmodell der drei großen, traditionsreichen US-Autokonzerne ist grandios gescheitert. Nur mit radikalen Einschnitten lässt sich ihr Untergang noch aufhalten. Und selbst das ist keineswegs mehr sicher.
Wenn Mulally, GM-Chef Rick Wagoner und Robert Nardelli  von Chrysler heute erneut im Kongress Rede und Antwort stehen müssen, werden sie noch einmal ihre prächtigen Luftschlösser bauen. Denn die Manager wissen genau: Die Politik braucht Visionen. 34 Mrd. $ sollen die Abgeordneten und Senatoren lockermachen, um die notleidenden Hersteller zunächst einmal über den Winter zu retten. Die ersten 4 Mrd. $ braucht GM sofort, sonst könnte dem Konzern noch vor Weihnachten das Geld ausgehen.
Rettung ist beschlossene Sache
In der Sache sind die Hilfen für die bedrohten Saurier aus Detroit in Washington längst ausgemacht. Unabhängig davon, ob sich die Konzerne nun mit oder ohne Insolvenzverfahren sanieren: Die US-Regierung kann diese heimische Schlüsselindustrie nicht einfach sterben lassen. Schon gar nicht in dieser Zeit: Ein Untergang von GM, Ford und Chrysler würde direkt und indirekt Millionen Arbeitsplätze vernichten. Das umfassende System aus Pensionen und Versicherungen, die vor allem von GM finanziert werden, würde zusammenbrechen. Ganze Städte würden wirtschaftlich und sozial kollabieren. Der künftige Präsident Barack Obama , der im Wahlkampf von der mächtigen Autogewerkschaft UAW massiv unterstützt worden war, muss daher gemeinsam mit den führenden Kräften im Senat, der Gewerkschaft und den Konzernen selbst ein echtes Sanierungskonzept entwickeln.

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