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Merken   Drucken   21.01.2008, 16:58 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Die Notenbanken können den Börsen nicht helfen  

Nach einigen nur halbherzigen Anläufen im vergangenen Jahr scheinen die Aktienanleger diesmal die Kurse konsequenter der Nachrichtenlage anpassen zu wollen. Sie folgen damit mit einiger Verzögerung den Rentenanlegern. von Matthias Pindter
Letztere leben bereits seit Monaten entweder auf einem anderen Planeten, oder einen anderen als die Aktionäre sehen. Mögen Charttechniker oder Marktpsychologen genauer herausfinden, warum diese heftige Anpassung gerade jetzt passiert. Doch dass eine Korrektur überfällig war, spürten auch jene Anleger schon länger, die dennoch investiert blieben, da man den seit rund fünf Jahren steigenden Märkten ja nicht passiv zuschauen wollte.
Wenn nach diesem Montagwieder schnell Thesen von Überverkauf, irrationalen Märkten und historisch günstigen Bewertungen die Runde machen, sollte man einige Dinge nicht übersehen: Historisch billig sind viele Aktien nur, wenn man die aktuellen Analysten-Schätzungen zugrunde legt. Es ist keine Neuigkeit, dass auf einzelne Aktien fokussierte Analysten sich oft etwas träge darin zeigen, ein sich veränderndes Wirtschaftsumfeld in ihre Umsatz- und vor allem Margenprognosen einfließen zu lassen.
Ebenso ist es hilfreich zu wissen, dass sich eine zunehmende Kluft zwischen den offiziellen Kommentaren der Bankhäuser und dem privaten Anlageverhalten der einzelnen Banker auftut. Fangen die Banken erst jetzt bei bereits sinkenden Kursen an, vor eben jenen zu warnen, haben sich viele Angestellte dieser Häuser schon länger von ihren Aktienpositionen verabschiedet.
In diesen Märkten Handelsratschläge zu erteilen, ist unseriös. Mag sein, dass an einem Tag wie diesem die Verluste übertrieben scheinen - so man Tagesschwankungen nur als Reaktion von Tagesnachrichten sehen will. Ob dies auch unter einem längerfristigeren Blickwinkel zutrifft, sei dahingestellt. Bereits kurzfristig droht eine Rezession in den USA und ein kräftiger Wachstumseinbruch in einigen Ländern Europas, die ähnliche strukturelle Muster wie die USA aufweisen.
So könnte beispielsweise schon schnell den britischen Firmen die Puste ausgehen, wenn ihnen die Banken immer stärker den Geldhahn zudrehen. Mittelfristig werden sich einige Parameter wieder ihrem langjährigem Mittel und damit ihrem Gleichgewicht annähern müssen: Ausgaben- und Verschuldungsquote, Wechselkurse, Gewinnmargen und Vermögenspreise. Kürzer gesagt: wer jahrelang - wie etwa Amerikaner, Engländer oder Spanier - über seine Verhältnisse gelebt hat, kann nach einem Quartal der Entsagung nicht schon wieder auf den Putz hauen. Diesen schmerzlichen Prozess können auch die Notenbanken nicht verhindern, höchstens lindern. Mit einer Unannehmlichkeit werden die Anleger noch länger leben müssen: zu sehen, dass die makro-ökonomischen Multiplikatoren, die den Aufschwung so angenehm beflügelten, auch im Abschwung ihre Wirkung entfalten. Von daher wird der heutige Rutsch nicht das Ende des Schreckens sein.
  • FTD.de, 21.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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