Im vergangenen Monat habe ich 247 Männer aufgerissen. Ein hartes Stück Arbeit für gerade mal vier Wochen, aber ich habe mich ordentlich reingekniet. Während meiner Auszeit von der Financial Times habe ich auf einer Seitensprungwebsite wie besessen Fremde angemailt - und mich an der heißesten Rezessionsaktivität beteiligt, die der Markt im Moment zu bieten hat.
Zu meinen neuen Bekanntschaften zählen ein ehemals mächtiger Hedge-Fonds-Manager, Scharen neuerdings unbeschäftigter Banker, ein paar Unternehmer, eine Handvoll Vorstände, ein bekannter Musiker, Anwälte und ein äußerst attraktiver Bauarbeiter.
Als ich mich also bei der exklusivsten unter den Seitensprungwebsites, "Illicit Encounters" (verbotene Begegnungen) anmeldete, geschah dies rein zu Recherchezwecken für mein Buch über Internetseitensprünge. Doch schon innerhalb der ersten halben Stunde nach Eingabe meiner Daten (unter dem Pseudonym Sophie Scribe) hatte ich 20 Bekanntschaften an Land gezogen. Nach einer Stunde war ich süchtig.
Illicit Encounters ist eine Art Hamam, in dem sich 230.000 vor allem berufstätige, verheiratete Personen durch virtuellen Dampf Blicke zuwerfen auf der Suche nach jemandem, der als Affäre infrage kommt.
Rege Aktivität herrschte vor allem unter denen, die als Beruf Finanzdienstleistungen angaben. Immer wieder wurde ich von Männern mit Kennungen wie "Alpha123", "Civilised1" oder "CityGent" angeschrieben. Und alle erzählten die gleiche Geschichte: Ich bin ein erfolgreicher Banker, habe jetzt viel Zeit und suche Abenteuer/Liebe/Romanze/Gelegenheitssex und so weiter.
Die Websitebetreiber erzählten, dass seit September die Zahl registrierter männlicher Mitglieder aus dem Londoner Finanzsektor um fast 300 Prozent gestiegen sei. Je kälter der Stellenmarkt, desto heißer offenbar der Markt für Seitensprünge.