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Merken   Drucken   26.01.2009, 09:20 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Ein Weg aus der Glasfaserfalle  

Deutschland muss Milliarden in Telekommunikationsnetze investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben - ohne ein neues Monopol zu schaffen. Möglich ist das über Subventionen. von Thomas Wendel
Die Bundeskanzlerin dürfte zufrieden sein mit ihrem Telekom-Chef. Denn René Obermann  vermeidet etwas, was in der derzeitigen Rezession fast alle tun: Egal, ob die Manager von Banken, Autokonzernen oder gar der Pornoindustrie - sie alle schreien nach mehrstelligen Millionenbeihilfen vom Staat, um das Überleben ihrer Unternehmen oder gar ihrer gesamten Branchen zu sichern.
Anders Obermann: "Behalte dein Geld", ruft er Angela Merkel zu. "Wir schaffen das auch ohne dich, Staat", lautet die Botschaft, die er bei jeder Gelegenheit an die Kanzlerin sendet. Und die ist ihm dankbar dafür. Schließlich hat sich der Konzern, der immer noch zu rund einem Drittel dem Bund gehört, eine Jahrhundertaufgabe gestellt: Die Erneuerung der Telekommunikationsinfrastruktur Deutschlands - ein Vorhaben, dessen Kosten Experten mit 40 bis 50 Mrd. Euro beziffern.
Dennoch handelt Obermann mit einem Verzicht auf Subventionen nicht im Interesse des Landes.
Surfen im Schneckentempo
Kein Experte zweifelt am Sinn der Megainvestition in neue Telefon- und Internetnetze, in Glasfaserleitungen, die bis in die Wohnungen reichen. Eine leistungsfähige Infrastruktur ist schließlich zentrale Voraussetzung dafür, dass ein Hochlohnland wie die Bundesrepublik international wettbewerbsfähig bleibt. Und in einer Wissensgesellschaft ist Kommunikation die Basis des Erfolgs.
Doch ist es um diese Basis nicht mehr allzu gut bestellt. Während in Südkorea oder Japan bereits 2007 mehr als zwei Drittel der Haushalte an Glasfasernetze angeschlossen wurden, war es in Deutschland nach Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey und der Marktforschungsgesellschaft Screen Digest weniger als ein Prozent. Stattdessen wird in Deutschland über jahrzehntealte Kupferleitungen telefoniert und gesurft, eine Technologie, die in wenigen Jahren an ihre Kapazitätsgrenzen stößt: Datenübertragungsraten von mehr als 25 Megabit je Sekunde sind damit selten drin - zu wenig, um künftige Dienste wie dreidimensionales Fernsehen, Videokonferenzen und Software aus dem Internet anzubieten oder gar die Fernsteuerung komplexer Industrieprozesse über Ländergrenzen hinweg zu ermöglichen.
Die Regierung hat das erkannt und sich in ihrer "Breitbandstrategie" zum Ziel gesetzt, bis 2018 allen Haushalten Internetanschlüsse mit mindestens 50 Megabit Kapazität zur Verfügung zu stellen. Offen ist jedoch, wie die Regierung dieses Ziel erreichen will.
Obermann hat darauf eine Antwort: Sein Unternehmen, selbstverständlich, baut das Netz aus, ganz umsonst - unter der Bedingung, dass sich der Bund mit "investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen" revanchiert. Wettbewerber sollen befristet an der Mitnutzung der neuen Netze gehindert werden und höhere Mieten zahlen, wenn sie Teile des bestehenden Telekomnetzes nutzen. Die Konkurrenz hält dagegen: Sie fordert vom Regulierer eine Absenkung der Mietgebühren. Mit dem gesparten Geld sei man dann in der Lage, selbst Glasfasern in den letzten Winkel Bayerns zu verlegen.
  • Aus der FTD vom 26.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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