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Merken   Drucken   14.07.2009, 12:59 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Eine Einstiegsstrategie für Afghanistan  

Nach acht Jahren westlicher Präsenz am Hindukusch ist die Lage so schlecht wie nie zuvor. Statt darüber zu reden, wie die Bundeswehr aus dem Einsatz herauskommt, sollte man richtig hineingehen. von Joachim Zepelin
Die Deutschen haben noch nie so sehr am Afghanistan-Einsatz gezweifelt wie heute. Drei Viertel der Bundesbürger sagen in Umfragen: Raus aus Afghanistan. Diese Forderung ist verständlich nach acht Jahren, in denen sich die Sicherheitslage trotz der Präsenz ausländischer Soldaten laufend verschlechtert hat. Doch die Antwort kann nur heißen: Deutschland muss mehr Truppen nach Afghanistan schicken, offensiver gegen die militanten Islamisten vorgehen und mehr Aufbauarbeit leisten.
Mit der bequemen Forderung, sich aus Afghanistan zu verabschieden, sonnt sich die Mehrheit der Deutschen im Gefühl, auf der besseren Seite der Welt zu stehen. Doch dahinter verbirgt sich eine politische, militärische und menschenrechtliche Bankrotterklärung, deren Preis sich sowohl für Afghanistan als auch für den Westen kaum absehen lässt - nicht nur, weil die Extremisten versuchen werden, die kritische Stimmung durch Anschläge auf Bundeswehrsoldaten im Einsatz und auf deutsche Ziele an anderen Orten zu schüren.
Taliban in der Nachbarschaft
Würden sich die internationalen Truppen tatsächlich zurückziehen, wären zuerst diejenigen Afghanen in Lebensgefahr, die mit den fremden Soldaten und Helfern zusammengearbeitet haben. Für diese Afghanen haben die Staaten der Koalition Verantwortung übernommen: Sie haben die Hoffnung geweckt, dass es sich lohnt, für ein anderes Afghanistan einzutreten. Spätestens wenn die Taliban wieder ihr mittelalterliches Schattenreich eingerichtet haben, werden alle ihre Landsleute wieder in politischer, kultureller, religiöser und sexueller Unfreiheit leben. Und es ist in der Folge zumindest nicht unwahrscheinlich, dass islamistische Terroristen in Afghanistan wieder beste Bedingungen vorfinden, um von dort aus Anschläge zu planen und auszuführen.

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