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Merken   Drucken   22.10.2008, 09:37 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Eine unschöne Bescherung für den Handel  

Mitten in Finanzkrise und Abschwung redet der Einzelhandel das wichtige Weihnachtsgeschäft schön. Mit der Realität hat das nicht viel zu tun. Es zeichnet sich längst ab, dass die Stimmung der Konsumenten kippt. von Katja Wilke
Spekulatiuskekse und Printen allein reichen nicht aus. Das Gebäck liegt zwar schon seit Wochen in den Regalen der Supermärkte und Discounter, doch Weihnachtsstimmung ist beim Verbraucher angesichts der düsteren Konjunkturaussichten trotzdem noch nicht aufgekommen. Seit voriger Woche nun hauen Deutschlands Einzelhändler kräftig auf die PR-Trommel, um bei den Kunden die Kauflust zu wecken. Das einzige Konzept, das sie im trüben Nachrichtenumfeld haben, ist allerdings ein ziemlich simples - Optimismus zu verbreiten.
Das Kalkül: Nur wer sich keine Sorgen um die Zukunft macht, schaut nicht so sehr aufs Geld. Mit der Realität hat das allerdings nicht viel zu tun. Die Stimmung unter den Verbrauchern ist ohnehin schon schlecht. Und der bevorstehende Abschwung droht den Einzelhandel übel zu erwischen. Sollten Finanz- und Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, kann aus der Kaufzurückhaltung schnell ein regelrechter Käuferstreik werden. Schon durch die Angst vor einem Jobverlust kann die Stimmung kippen.
Und so kündigte Edeka vergangene Woche an, bis Ende 2010 rund 25.000 neue Stellen zu schaffen - just an dem Tag, an dem die Beratungen des Bundestags über das Rettungspaket für Banken und die Absatzrückgänge in der Autobranche Schlagzeilen machten. Edekas Ankündigung ließ den Konkurrenten Rewe sofort nachziehen. Der Kölner Konzern stellte ebenfalls 25.000 neue Jobs in Aussicht.
Der Neujahrskater kommt
Solcher Aktionismus lässt sich leicht erklären: Das Vorweihnachtsgeschäft ist für die Einzelhändler von herausragender Bedeutung. In dieser Zeit erwirtschaftet die Branche rund ein Fünftel ihres Jahresumsatzes. Das gilt für den Lebensmitteleinzelhandel, mit Abstrichen für den Textilhandel, ganz besonders für Parfümerien, Spielwaren- und Elektronikhändler und natürlich für die größtenteils siechen Warenhäuser. Der Chef des Arcandor-Konzerns, Thomas Middelhoff, hatte darum vorsorglich schon vor Wochen angekündigt, man habe "die Chance, bei der Warenhaustochter Karstadt ein besseres Weihnachtsgeschäft als im Vorjahr zu haben". Metro-Chef Eckhard Cordes wagte sich nicht ganz so weit vor, sagte aber kürzlich, er sei "verhalten zuversichtlich, dass wir ein ordentliches Weihnachtsgeschäft haben werden".
Schöne Aussichten also - wenn nicht jetzt schon so gut wie sicher wäre, dass die Händler Neujahr mit einem Kater aufwachen.
  • Aus der FTD vom 22.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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