Bahnchef Hartmut Mehdorn schiebt die Schuld für den Passagierschwund in Intercitys und ICEs auf die Billigflieger und deren aggressive Werbung. Da ist sicherlich etwas dran: Mit Dumpingpreisen auf attraktiven Strecken haben Fluggesellschaften wie Ryanair oder HLX der Bahn einige Kunden abgeluchst. Trotzdem ist das nur die halbe Wahrheit. Denn die Bahn konkurriert hauptsächlich mit dem Transportmittel Pkw, und genau deshalb konnte das an Flugtarifen orientierte Bahnpreissystem nicht funktionieren. Die Tatsache, dass die Konzernführung die Reform der Preisreform mit keinem Wort erwähnt, zeugt von der Uneinsichtigkeit der Chefetage.
Flexibilität könnte das große Plus der Bahn werden. Betrachtet man die Halbjahresergebnisse mit dem positiven Fahrgastaufkommen im Regional- und Nahverkehr, könnte man die Bahn auf einem guten Weg ahnen. Aber das gute Spartenergebnis darf nicht darüber hinweg täuschen, dass es in der Region oft keine Alternative im öffentlichen Personennahverkehr zur Bahn gibt. Und Nachbesserungen sind auch hier dringend nötig. Wenn die von den Bahnkunden heiß ersehnte Bahncard 50 im Nahverkehr nicht gültig ist, Schleswig-Holstein ist hier nur ein Beispiel - wird das langfristig nicht zu einer Stabilisierung in diesem Verkehrssegment sorgen. Die Ohrfeige, die die Bahn im Fernverkehr von den Fahrgästen erhalten hat, könnte sich im Nahverkehr wiederholen.
Trotzdem lassen die Halbjahreszahlen eine klare Weichenstellung erkennen: Die Bahn arbeitet zielstrebig auf einen Börsengang hin. Nur ein Unternehmen, das Gewinne erwirtschaftet, kann an der Börse erfolgreich sein. Und nur wenn der Erfolg auf dem Frankfurter Parkett möglich erscheint, macht für den Großaktionär Bund ein Börsengang des Staatsunternehmens Sinn. Ob 2008 oder erst später mag dahin gestellt sein, für das Unternehmen Deutsche Bahn bleibt trotzdem noch viel zu tun, bis es börsentauglich ist.