Merkel sprach ungewöhnlich deutlich von Meinungsverschiedenheiten beim Thema Energieversorgung und im Umgang mit Iran. Der
Eon -Konzern konnte sich mit dem russischen Energieriesen
Gasprom nicht über einen Einstieg beim westsibirischen Gasfeld Juschno Russkoje einigen. Und auch der Vertrag über die geplante Ansiedlung von
Volkswagen in der Nähe von Moskau liegt auf Eis, weil man sich nicht auf die Bedingungen für das Werk einigen kann.
Es ist also nicht übertrieben zu behaupten, dass diese Regierungskonsultationen ein Misserfolg waren. Seit Merkel deutlich gemacht hat, dass sie anders als ihr Vorgänger auch demokratische Defizite in Russland ansprechen will, ist der Ton aus dem Kreml deutlich kühler geworden. Moskau versteht sich, ermutigt von den steigenden Rohstoffpreisen, wieder als Weltmacht und will als solche behandelt werden. Auf Kritik reagiert die russische Führung stets ausgesprochen dünnhäutig.
Die Kanzlerin aber sollte bei ihrem klaren Kurs bleiben. Die russische Art der Diplomatie, die auf Drohungen, Imponiergehabe und kleinen Demütigungen basiert, entstammt einem anderen Jahrhundert und ist auf Dauer nicht akzeptabel. Zudem wird nicht alles so heiß gegessen, wie die Russen es kochen. Wenn Gasprom damit droht, die Energieversorgung Westeuropas einzuschränken, dann ist dies derzeit vor allem eine beleidigte Reaktion auf die Russland-skeptische Debatte in Europa. Auf die zuverlässig fließenden Gas-Dollars aus dem Westen wird auch Gasprom nicht verzichten wollen. Und der Bau neuer Pipelines nach Asien ist eine Frage von Jahren und nicht der kommenden Monate.
Dies alles bedeutet nicht, dass der Westen es auf offenen Streit mit Russland ankommen lassen sollte. Es besteht nur kein Anlass, bei jeder plumpen Drohung aus Moskau gleich in Hysterie auszubrechen.