Wer dieser Tage die neue Euphorie und den Tatendrang beobachtet, die Nato und Uno für Afghanistan an den Tag legen, mag sich an einen Hit aus den 80er-Jahren erinnert fühlen. "Ja, ja, ja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt", schmetterte die Band Geier Sturzflug damals.
Und irgendwie machen die Außen- und Verteidigungsminister im mächtigsten Militärbündnis der Welt den Eindruck, als hätte US-Präsident Barack Obama seine Rede zur Afghanistan-Strategie am vergangenen Freitag mit diesen Worten garniert. Die Stimmung ist gut, alle Nato-Partner zeigen neuen Eifer. Fieberhaft versucht jeder, irgendetwas beizutragen, und seien es nur ein paar Millionen für den Aufbau der afghanischen Armee. Kurz vor ihrem 60. Geburtstag am kommenden Wochenende setzt sich die Allianz neu für die ungeliebte Mission ein. Sogar der Iran als Erzfeind der USA versprach Zusammenarbeit. Auf der Afghanistan-Konferenz der Uno am vergangenen Dienstag konnte man deshalb fast der Illusion erliegen, am Hindukusch seien blühende Landschaften nicht mehr weit.
Mehr Gewalt gewiss
Ein stärkeres Engagement ist auch bitter nötig. Soll der Krieg in Afghanistan nicht zu einer der größten Blamagen für die westliche Welt werden, sind größere Anstrengungen gefordert - zivil und militärisch. Noch umgarnt Obama seine Alliierten hauptsächlich: Im Gegensatz zu seinem Vorgänger redet er mit den Europäern. Anders als George W. Bush sagt er viel von dem, was die Regierungen hören wollen. Und er schickt 21.000 zusätzliche US-Soldaten nach Afghanistan.
Tatsächlich aber wird es zunächst schlechte Nachrichten geben - und womöglich auch neuerliche politische Auseinandersetzungen. 21.000 zusätzliche Soldaten für den Afghanistan-Krieg bedeuten eine größere militärische Schlagkraft. Gleichzeitig drohen damit mehr Kämpfe, mehr Gewalt und mehr Opfer - auch unter Zivilisten.