Natürlich muss diese Aufgabe die Bundestagsabgeordneten überfordern: Es gibt keinen wahren Preis. Und natürlich haben die Betreiber und Hersteller von Windrädern und Solarkollektoren ein Interesse, ihre Ertragslage möglichst schlecht darzustellen, damit sie hohe Vergütungen garantiert bekommen. Andererseits ist es wichtig, dass die Gesamtfördersumme für Ökostrom, die auf alle Stromkunden umgelegt wird, nicht ins Unendliche steigt.
Einigkeit herrscht, dass die Hersteller von Photovoltaikanlagen derzeit so gut verdienen, dass deutliche Abschläge bei der Vergütung verkraftbar sind. Zugleich gibt es in der Großen Koalition ein großes Interesse, die Erfolgs- und Wachstumsgeschichte Photovoltaik fortzusetzen. Deshalb konnten sich auch nicht die Unionsabgeordneten durchsetzen, die eine drastische Kürzung um ein Drittel gefordert hatten. Ob der jetzt gefundene Kompromiss der richtige ist, muss beobachtet werden.
Insgesamt ist der glückliche Fall eingetreten, dass Union und SPD ein gemeinsames Interesse haben, das Energiesystem in Deutschland zu modernisieren. Eine glückliche Ausnahme in der sonst so zerstrittenen Großen Koalition. Und bislang hat die Politik das scheinbar ineffiziente Instrument der staatlich administrierten Preise ganz glücklich gehandhabt. In Deutschland gibt es mittlerweile deutlich mehr und deutlich billigeren Ökostrom als in Großbritannien oder Italien, wo eigentlich viel mehr Wind beziehungsweise Sonne zur Verfügung stehen. Das Erneuerbare Energien Gesetz schafft anders als die Quotensysteme in Großbritannien und Italien die höchste Verlässlichkeit für Investoren. Deshalb hat Deutschland seine führende Position bei den erneuerbaren Energien, und deshalb kopieren immer mehr Staaten das deutsche Gesetz. Selbst die großen deutschen Energiekonzerne, die die erneuerbaren Energien jahrelang als Spinnerei abgetan haben, steigen jetzt ein.