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Merken   Drucken   07.05.2009, 09:49 Schriftgröße: AAA

Kommentar: EZB - Achtung bei Euphorie  

Die Europäische Zentralbank darf sich nicht von einzelnen Hoffnungsschimmern beeindrucken lassen. Sie muss Wirtschaft und Banken noch stärker stützen - auch mit unkonventionellen Hilfen. von Mark Schrörs
Die Stimmung in der Wirtschaft im Euro-Raum hat sich aufgehellt, die Lage an den Kreditmärkten hat sich ein wenig entspannt, und die Börsen haben teils kräftig zugelegt. Wenn sich die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) heute in Frankfurt versammeln, finden sie einige Argumente, um einen zurückhaltenderen geldpolitischen Kurs als die US-Notenbank Federal Reserve oder die Bank of England zu rechtfertigen. Und nicht anzukündigen, dass sie in großem Stil frisches Notenbankgeld drucken und so die Wirtschaft ankurbeln.
Tatsächlich wirkt das Umfeld positiver als zum Treffen Anfang April. Die Währungshüter dürfen sich aber nicht von der sich ausbreitenden Euphorie mitreißen lassen: Die aktuelle Lage ist weiter heikel und fragil, der Ausblick düster. Es ist für sie deshalb auch nicht die Zeit, um erstmal abzuwarten: Wirtschaft und Banken brauchen zusätzliche Hilfen. Die Notenbanker haben bereits unnötig Zeit vergeudet. Schließlich müssen sie sich hüten, einzelne Optionen auszuschließen, weil keiner weiß, ob künftig nicht doch das Undenkbare nötig wird. Im Gegenteil: Die EZB muss ihre Pläne für den Fall darlegen, dass es doch wieder schlimmer kommt.
Arbeitslosigkeit steigt rasant
Im April sind viele wichtige Stimmungsindizes für die Euro-Wirtschaft gestiegen. Einige Experten sehen das bereits als Trendwende, sie hoffen auf eine Erholung zum Jahresende. Die Indizes liegen aber weiterhin auf extrem niedrigen Niveaus, teils nahe ihren Rekordtiefs. Sie signalisieren eine weiter schrumpfende Wirtschaftsleistung. 2009 dürfte sie um vier, vielleicht fünf Prozent zurückgehen. Das ist beispiellos, und niemand kann sich die genauen Konsequenzen vorstellen. Klar aber ist, dass die Arbeitslosenquote, die schon auf 8,9 Prozent geschnellt ist, weiter stark ansteigen wird - mit erheblichen negativen Folgen für den Konsum und die ganze Wirtschaft.
Die jüngste Entwicklung deutet also allenfalls auf eine Stabilisierung hin - die dringend nötig ist: Würde sich etwa der Einbruch der Industrieproduktion ungebremst fortsetzen, drohte eine Kernschmelze dieses zentralen Sektors. Eine spürbare Erholung, gar ein kräftiger Aufschwung, erscheint aber zumindest bis weit ins Jahr 2010 nicht denkbar. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet auch 2010 im Jahresschnitt ein Minus.
  • Aus der FTD vom 07.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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