FTD.de » Meinung » Kommentare » Haushaltsdisziplin geht vor

Merken   Drucken   10.04.2008, 12:52 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Haushaltsdisziplin geht vor  

Peer Steinbrück ist bekannt für seine mitunter ruppige Art. Der neueste Vorstoß des Finanzministers ist selbst für dessen Verhältnisse starker Tobak. Doch er hat Recht. von Arne Delfs
Angesichts maßloser Ausgabenwünsche aus den Ministerien, die den Finanzplan mit insgesamt 7,5 Milliarden Euro sprengen, hat Steinbrück vier Ministern kurzerhand mit dem Entzug der Etathoheit gedroht. Ein einmaliger Vorgang in der Haushaltspolitik. Faktisch würde Steinbrück die betroffenen Minister Glos, Schavan, Wieczorek-Zeul und Tiefensee damit entmachten: Nicht sie, sondern der Finanzminister würde deren Haushalt aufstellen und ihnen ein Budget zuweisen.
Kein Wunder also, dass die ausgabewütigen Ressortchefs nun aufheulen. Steinbrück agiere "mit der Brechstange" und spare mit der "Rasenmähermethode", monieren sie. Zugegeben, die Drohgebärde des Finanzministers ist nicht gerade die eleganteste Form der Haushaltsdisziplinierung. Aber angesichts eines zusehens schwächer werdenden Sparwillens in der Großen Koalition vielleicht doch die einzig mögliche. Der immer lascher werdenden Haushaltsdisziplin in dieser ohnehin konturlosen Koalition musste endlich ein Riegel vorgeschoben werden.
Nun ist die Kanzlerin gefragt. Sie muss endlich aus der Deckung kommen und auch ihren eigenen Unionsministern klarmachen, dass die Zeit der Wohltaten vorbei ist. Hauptaufgabe der Großen Koalition ist und bleibt die Haushaltskonsolidierung. Steinbrück selbst ist sich der Rückendeckung aus dem Kanzleramt sicher. Dabei sollte er allerdings nicht vergessen, dass die Merkel-Regierung selbst mit den Beschlüssen zur Aufweichung der Hartz-Reformen und zur Rentenerhöhung dieses Klima der Freigiebigkeit geschaffen hat. Die Große Koalition muss sich entscheiden, ob sie weiter Wahlgeschenke verteilen oder endlich wieder verantwortliche Politik machen will.
  • FTD.de, 10.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  18.05. Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf "Angela Merkel eiskalt"
Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf: "Angela Merkel eiskalt"

Deutschlands Leitartikler zeigen sich verwundert über Merkels schroffe Art bei Röttgens Zwei-Minuten-Rausschmiss, erkennen dafür aber gute Gründe. Einer sieht die alte Merkel zurückkehren. mehr

 



  27.05. Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten
Vermischtes: Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten ...

In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre lang als Sklavin gehalten worden. mehr

Mehr zu: Bosnien, Deutsche

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote