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Merken   Drucken   26.06.2006, 07:26 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Herr Schiedsrichter, die Karte bitte

Solche Spiele möchte kein echter Fußballfan bei einer Weltmeisterschaft sehen. 16 Mal war der Schiedsrichter gezwungen, den gelben Karton zu zeigen, vier Spieler sahen diesen gleich zweimal und mussten mit Gelb-Rot den Platz verlassen. von Marco Bröckel
Gelb-Rote Karte für den Holländer Boulahrouz   Gelb-Rote Karte für den Holländer Boulahrouz
Man wird wohl etwas in den Archiven kramen müssen, um ein WM-Spiel ausfindig zu machen, in dem ein Spielleiter derart oft an seine Brusttasche greifen musste. Sicherlich war der russische Schiedsrichter Walentin Iwanow etwas überfordert und zu Beginn der Partie in einigen Situationen zu kleinlich in seinen Entscheidungen. Einen echten Vorwurf wegen der Kartenflut kann man ihm jedoch am wenigsten machen.
Von Beginn an gingen beide Mannschaften sehr aggressiv und körperbetont zu Werke. Mit zunehmender Spieldauer häuften sich allerdings die versteckten Fouls und Nickligkeiten. So foulte Khalid Boulahrouz, der in der Bundesliga den Beinamen "der Kannibale" trägt, Cristiano Ronaldo in der achten Minute unnötig hart im Mittelfeld - mit der Konsequenz, dass dieser knappe 25 Minuten später verletzt das Spielfeld verlassen musste.
Als Gast bei Freunden benimmt man sich anders
In der zweiten Halbzeit brachen dann alle Dämme: rüde Fouls, hässliche Tritte, Rudelbildungen, Schubsereien und Kopfstöße. Man hatte das Gefühl versehentlich ein Rugbyspiel ohne Regeln eingeschaltet zu haben. Es ist bedauerlich, dass eine der beiden Mannschaften ins Viertelfinale einziehen musste. Es wäre besser gewesen, wenn beide Mannschaften nach dieser Vorstellung das Turnier hätten beenden müssen. Als Gast bei Freunden benimmt man sich eigentlich anders.
Die Portugiesen, die bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea schon einmal eine Partie mit lediglich neun Spielern beenden mussten (es war das letzte Gruppenspiel gegen Gastgeber Südkorea), täten gut daran, im Viertelfinale gegen England auf derartige Härte zu verzichten. Andernfalls könnte das Spiel am kommenden Samstag in Gelsenkirchen in eine handfeste Kneipenschlägerei ausarten.
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  • FTD.de, 26.06.2006
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