FTD.de » Meinung » Kommentare » Ifo - Handeln, bevor es zu spät ist

Merken   Drucken   26.08.2008, 12:20 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Ifo - Handeln, bevor es zu spät ist  

So schlecht waren die Aussichten der deutschen Unternehmen zuletzt nach dem Ende des Einheitsbooms. Laut Ifo-Institut blicken die Firmenchefs mittlerweile so pessimistisch auf ihre Geschäfte in den nächsten sechs Monaten, wie seit 1993 nicht mehr. Es ist Zeit, ein Hilfspaket wie in den USA auf den Weg zu bringen. von André Kühnlenz (Berlin)
Wer sich in den vergangenen Wochen Hoffnungen gemacht hatte, dass sinkende Ölpreise und ein etwas schwächerer Euro die Firmen und Verbraucher aufatmen lässt, kann diese Zuversicht nun wohl begraben - und das auf längere Zeit. Zu stark ist der Abwärtstrend in Frankreich, Spanien, Italien oder Großbritannien, dass die deutschen Firmen davon nicht mit in die Tiefe gerissen werden.
Gut ein Drittel aller deutschen Exporte gehen dorthin. Weite Teile Europas leiden nicht nur unter der nach wie vor starken Gemeinschaftswährung. In vielen Volkswirtschaften hat eine Immobilienkrise wie in Amerika gerade erst begonnen. Zudem kühlt sich die Nachfrage aus den Schwellenländern Osteuropas und Asiens bereits ab, was die deutschen Ausfuhrunternehmen zusätzlich trifft.
Die Ökonomen von Unicredit schätzen mittlerweile das Risiko, dass es hierzulande formal gesehen eine Rezession in diesem Jahr geben wird, auf 70 Prozent: Zwei Quartale im Minus werden immer wahrscheinlicher. Dabei ist der Rückgang vom Frühjahr nicht nur darauf zurückzuführen, dass die Baufirmen nach dem milden Winter ihre Tätigkeiten auf Normallevel zurückfuhren. Auch ohne die Sondereffekte wäre die deutsche Wirtschaft wohl bereits im zweiten Quartal leicht geschrumpft, sagen Volkswirte.
Die Konsumenten richten sich längst auf einen langen Abschwung in Deutschland ein. Das GfK-Verbrauchervertrauen ist derzeit so schlecht wie seit fünf Jahren nicht mehr. Da hilft auch wenig, dass sich die Deutschen über die seit einem Monat wieder sinkenden Spritpreise freuen und auch der starke Kostenanstieg bei Nahrungsmitteln mittlerweile gestoppt ist. Kein Wunder also, dass die Konsumenten kaum noch Lust verspüren, größere Anschaffungen zu tätigen.
Derzeit sieht es noch danach aus, dass die deutsche Wirtschaftleistung mindestens bis Jahresende stagnieren wird oder sogar von Quartal zu Quartal etwas zurückgeht. Doch was kommt danach? Die Gefahr, dass sich ein leichter Abschwung in eine starke Abwärtsspirale auswächst, hat in diesem Sommer heftig zugenommen. Davor sollten Politiker in Deutschland und dem Rest der Euro-Zone nicht ihre Augen verschließen. Es wird Zeit, sich ernsthaft darüber Gedanken zu machen, ob ein Konjunkturprogramm wie in den USA zumindestens einen krassen Absturz verhindern kann. Noch wäre es nicht zu spät, solch ein Hilfspaket auf den Weg zu bringen.
  • FTD.de, 26.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  18.05. Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf "Angela Merkel eiskalt"
Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf: "Angela Merkel eiskalt"

Deutschlands Leitartikler zeigen sich verwundert über Merkels schroffe Art bei Röttgens Zwei-Minuten-Rausschmiss, erkennen dafür aber gute Gründe. Einer sieht die alte Merkel zurückkehren. mehr

 



  27.05. Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten
Vermischtes: Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten ...

In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre lang als Sklavin gehalten worden. mehr

Mehr zu: Bosnien, Deutsche

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote