Wer sich in den vergangenen Wochen Hoffnungen gemacht hatte, dass sinkende Ölpreise und ein etwas schwächerer Euro die Firmen und Verbraucher aufatmen lässt, kann diese Zuversicht nun wohl begraben - und das auf längere Zeit. Zu stark ist der Abwärtstrend in Frankreich, Spanien, Italien oder Großbritannien, dass die deutschen Firmen davon nicht mit in die Tiefe gerissen werden.
Gut ein Drittel aller deutschen Exporte gehen dorthin. Weite Teile Europas leiden nicht nur unter der nach wie vor starken Gemeinschaftswährung. In vielen Volkswirtschaften hat eine Immobilienkrise wie in Amerika gerade erst begonnen. Zudem kühlt sich die Nachfrage aus den Schwellenländern Osteuropas und Asiens bereits ab, was die deutschen Ausfuhrunternehmen zusätzlich trifft.
Die Ökonomen von Unicredit schätzen mittlerweile das Risiko, dass es hierzulande formal gesehen eine Rezession in diesem Jahr geben wird, auf 70 Prozent: Zwei Quartale im Minus werden immer wahrscheinlicher. Dabei ist der Rückgang vom Frühjahr nicht nur darauf zurückzuführen, dass die Baufirmen nach dem milden Winter ihre Tätigkeiten auf Normallevel zurückfuhren. Auch ohne die Sondereffekte wäre die deutsche Wirtschaft wohl bereits im zweiten Quartal leicht geschrumpft, sagen Volkswirte.
Die Konsumenten richten sich längst auf einen langen Abschwung in Deutschland ein. Das GfK-Verbrauchervertrauen ist derzeit so schlecht wie seit fünf Jahren nicht mehr. Da hilft auch wenig, dass sich die Deutschen über die seit einem Monat wieder sinkenden Spritpreise freuen und auch der starke Kostenanstieg bei Nahrungsmitteln mittlerweile gestoppt ist. Kein Wunder also, dass die Konsumenten kaum noch Lust verspüren, größere Anschaffungen zu tätigen.
Derzeit sieht es noch danach aus, dass die deutsche Wirtschaftleistung mindestens bis Jahresende stagnieren wird oder sogar von Quartal zu Quartal etwas zurückgeht. Doch was kommt danach? Die Gefahr, dass sich ein leichter Abschwung in eine starke Abwärtsspirale auswächst, hat in diesem Sommer heftig zugenommen. Davor sollten Politiker in Deutschland und dem Rest der Euro-Zone nicht ihre Augen verschließen. Es wird Zeit, sich ernsthaft darüber Gedanken zu machen, ob ein Konjunkturprogramm wie in den USA zumindestens einen krassen Absturz verhindern kann. Noch wäre es nicht zu spät, solch ein Hilfspaket auf den Weg zu bringen.