Etwas Besseres kann Angela Merkel zwei Monate vor der Bundestagswahl gar nicht passieren: Konjunkturindikatoren zeigen reihenweise wieder nach oben, die tiefste Rezession der Nachkriegszeit scheint überwunden. Nach Auftragseingängen, Industrieproduktion und Ifo-Index überrascht heute auch der Konsumklimaindex des Marktforschungsinstituts GfK positiv. Die Kauflaune der Verbraucher ist demnach mit Blick auf den August nochmals gestiegen – obwohl die Bürger längst wissen, dass die schlimmsten Krisenfolgen am Arbeitsmarkt erst noch kommen.
Bis es tatsächlich so weit ist, bis die Arbeitslosigkeit Monat für Monat rasant zunehmen wird, wollen sich die Bürger die Laune offenbar nicht verderben lassen. Niedrige Inflation, geringe Sparzinsen und Einkommensverbesserungen sorgen vorerst noch für eine stabile Konsumnachfrage. Vor allem die 20 Millionen Rentner dürften den Konsum stützen, schließlich haben sie zum 1. Juli eine stattliche Rentenerhöhung erhalten.
Doch das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Sobald die Arbeitslosenzahl rascher zunimmt, wird auch die Konsumfreude spürbar abnehmen. Neben der Angst um den Job dürfte dann auch die Angst vor Beitrags- und Steuererhöhungen die Bürger stärker beeindrucken. Die drohenden Defizitsteigerungen in den Sozialversicherungen sind unübersehbar.
Merkel freilich wird bis zum Wahltag stillhalten und darüber kein einziges Wort verlieren. Der Kassensturz kommt erst nach der Wahl.