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  FTD-Serie: Analyse des Desasters

Was gestern vor einer Woche noch unvorstellbar war, ist heute Wirklichkeit: Investmentbanken implodieren, die US-Regierung verstaatlicht mit Hilfe der Fed den größten US-Versicherer und der deutsche Einlagensicherungsfonds scheint auch nicht mehr so sicher wie geglaubt. FTD.de analysiert und kommentiert die unglaublichen Vorgänge.

Merken   Drucken   18.09.2008, 11:57 Schriftgröße: AAA

Kommentar: KfW - Desaster ohne Verantwortliche

Die Staatsbank KfW hat am Tag des Lehman-Konkurses noch 300 Mio. Euro an das US-Institut überwiesen. Eine Panne, die nach Konsequenzen schreit - zumal die Bank gerade personell in Sachen Risikomanagement aufgerüstet hat. von Elisabeth Atzler
Man kann sich nur wundern - und ärgern: Da taumelt die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers seit Tagen. Südkoreas Staatsbank verweigert den Einstieg, der Lehman -Aktienkurs rutscht ab, das Vertrauen schwindet. Am Wochenende verhandeln Notenbank, Aufseher und Topbanker hektisch über eine Rettung, die misslingt - wie sich schon am Sonntagabend abzeichnete.
Und die staatliche KfW, die selbst bereits durch die Hilfen für die Mittelstandsbank IKB  in die Bredouille geraten ist, schickt am Montag, als die Lehman-Pleite klar war, 300 Mio. Euro an die US-Bank. Es geht um ein Währungstauschgeschäft, für das die KfW normalerweise direkt Geld zurückbekommen hätte. Das fließt aber nicht - und wird wohl auch nie mehr kommen. Zudem besitzt die KfW Lehman-Schuldverschreibungen in Höhe von knapp 200 Mio. Euro. Mit einer "technischen Panne" erklärt die Staatsbank das Missgeschick. Das Geschäft sei bereits im System verbucht gewesen. Auf die Idee, angesichts der Finanzkrise die geplanten Transaktionen am Wochenende noch einmal zu prüfen, ist offensichtlich niemand gekommen. Schon das ist ein Desaster.
300 Mio. Euro nehmen sich zwar nicht gerade viel aus im Vergleich zu den gut 9 Mrd. Euro, die KfW und Staat zur IKB-Rettung bereit gestellt haben. Doch die Panne legt bloß, wie arg es um das Risikomanagement der KfW steht. Schon bei der IKB, bei der die Staatsbank mit Abstand größter Aktionär ist und die sie nun für einen Spottpreis an den Finanzinvestor Lone Star verkaufen will, versagte die Kontrolle der KfW. Zwar saß neben dem KfW-Vertreter - lange war es der Ex-KfW-Chef Hans Reich - auch ein Bundesrepräsentant im IKB-Aufsichtsrat. Das aber entlastet die Staatsbank nicht. Von den Risiken, die die IKB am US-Hypothekenmarkt anhäufte, merkte bei der KfW niemand etwas.
Zu wünschen wäre, dass bei der KfW endlich jemand die Verantwortung übernimmt. Vorstandssprecherin Ingrid Matthäus-Maier  (SPD) ist zwar von ihrem Posten zurückgetreten - sie verblieb allerdings im Führungsgremium der KfW. Spätestens bei der nächsten KfW-Peinlichkeit muss klar sein, wer letztlich dafür verantwortlich ist, und wenn es dann nur um 3 Mio. Euro geht. Die Schonfrist für den neuen KfW-Chef Ulrich Schröder, der seit Amtsantritt zu Beginn des Monats für mehr Professionalität stehen soll, ist kurz. Zumal er sich verheißungsvoll Chief Executive Officer nennt und sein Gehalt das von Spitzenpolitikern und Bundesbankern toppt. Und zumal es inzwischen auch einen expliziten Chief Risk Officer der KfW gibt: Detlef Leinberger, der auch stellvertrender IKB-Aufsichtsratschef ist.
  • FTD.de, 18.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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