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Merken   Drucken   25.05.2009, 09:09 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Letzte Chance für Afghanistan  

Die militärische und zivile Kehrtwende der USA am Hindukusch fordert auch Deutschland heraus. Die Politiker dürfen eine Debatte über den deutschen Beitrag nicht scheuen - auch wenn sie vor den Wahlen unbequem ist. von Joachim Zepelin
Bernd Mützelburg, der Beauftragte des Auswärtigen Amtes für Afghanistan und Pakistan, hat eine Inventur für die internationale Aufbauarbeit am Hindukusch angekündigt. Alle Projekte der verschiedenen Mitspieler sollen erfasst werden, um sie besser koordinieren zu können. Wer Inventur macht, will etwas Altes abschließen, um etwas Neues zu beginnen. Nach acht Jahren Krieg fragt sich die Internationale der Helfer am Hindukusch: Wo stehen wir, wo wollen wir hin? Die Neubestimmung betrifft nicht nur die Aufbauarbeit, es geht um die Strategie insgesamt, zivil und militärisch.
Dieser Schnitt drückt vor allem eins aus: Die bisherige Strategie ist gescheitert, die Lage in Afghanistan hat sich dramatisch verschlechtert. Das Land steht auf der Kippe, trotz, aber auch wegen des westlichen Engagements. Zum anderen geht es jetzt um die letzte Chance, wenn schon nicht demokratische Verhältnisse, so doch zumindest einen halbwegs stabilen Frieden und eine zivile Perspektive für die seit Jahrzehnten vom Krieg gepeinigten Afghanen zu schaffen.
"Zurück auf Start" gibt es nicht
Die Voraussetzungen für einen Erfolg dieser Mission sind denkbar schlecht. Ein "Zurück auf Start" kann es nicht geben, denn die großen Versäumnisse bei der Aufbauarbeit und die militärische Eskalation der vergangenen Jahre haben die Ausgangslage grundlegend verändert. Die Taliban sind in vielen Landstrichen als eigentliche Herrscher zurück, das Vertrauen der Bevölkerung in den Schutz der in- und ausländischen Sicherheitskräfte ist zu oft enttäuscht worden.
Zudem bietet Afghanistan mit seiner Stammeskultur, mit Vetternwirtschaft und grassierender Korruption nicht gerade einen fruchtbaren Boden für ein friedliches und gedeihliches Zusammenleben - geschweige denn für Demokratie. Der Krieg ist der gefühlte Normalzustand mindestens einer ganzen Generation.

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