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Merken   Drucken   09.01.2009, 13:29 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Letzte Chance für Pionier Palm  

Die Wall Street gibt Palm noch eine Chance. Der Kursanstieg der Aktie des Smartphone-Pioniers belegt, dass der zuletzt arg notleidende Anbieter nach sechs Verlustquartalen mit seinem neuen intelligenten Handy Palm Pre die Erwartungen mehr als erfüllt hat. von Matthias Lambrecht
Großaktionär Elevation Partners sorgte mit einem geschickten Schachzug für diesen Erfolg. Nach der Übernahme von 25 Prozent der Palm-Aktien  hat der Finanzinvestor die Apple-Veteranen und iPod-Entwickler Jonathan Rubinstein und Paul Mercer an Bord geholt. Rubinstein hat jetzt auf der Messe CES in Las Vegas eine Produktpräsentation hingelegt, wie man sie bei Apple  zuletzt nicht mehr gesehen hat und damit für Begeisterungsstürme im Publikum gesorgt.
Der Jubel sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Palm sich die mit dem Kurssprung vergebenen Vorschusslorbeeren erst noch verdienen muss. Die treue Palm-Fangemeinde ist für den dringend notwendigen Erfolg inzwischen viel zu klein. Im scharfen Wettbewerb muss es daher gelingen, Anbietern wie Apple oder RIM  Kunden abzujagen. Doch als iPhone-Killer sind schon viele Handyhersteller angetreten, und noch keiner hat dem Touchscreen-Trendsetter ernsthaft Paroli bieten können. Auch RIMs E-Mail-Empfänger Blackberry ist trotz diverser Attacken gewichtiger Konkurrenten das Lieblingsspielzeug der Manager geblieben.
Palms neues Gerät überzeugt zwar durch technische Neuerungen, wie etwa die Möglichkeit verschiedene Anwendungen parallel laufen zu lassen. Das allein reicht aber als Verkaufsargument kaum aus. Maßgeblich dürfte der bislang noch nicht verkündete Preis und die Auswahl der Vertriebskanäle sein. Mit Sprint hat sich Palm einen Netzbetreiber als zunächst exklusiven Partner in den USA gesucht, dem wie dem Pre-Hersteller zuletzt wenig gelungen ist. Für den erhofften Umsatz- und Gewinnschub braucht das Unternehmen weitere starke Mobilfunkanbieter, die ihren Kunden das neue Gerät offerieren - in den USA ebenso wie in anderen Märkten.
Der Schlüssel zum Erfolg dürfte aber die Bereitschaft der Softwareentwickler sein, an Produkten für das neue Betriebssystem WebOS zu arbeiten, das Palm mit dem Pre etablieren will. Die breite Auswahl an Applikationen zum Herunterladen befeuert nicht mehr nur den Verkauf der iPhones. Wer im Geschäft mit den mobilen Kleinstcomputern in Zukunft mithalten will, muss eine ausreichend große Entwicklergemeinde um sich scharen, die ein attraktives Angebot bereitstellen. Neben Apple buhlen gewichtige Spieler wie Windows, Google  und Nokia  mit ihren Betriebssystemen um die Programmierer. Und die gehen naturgemäß zuerst dorthin, wo mit vielen Nutzern das beste Geschäft zu machen ist.
Palm muss es nun gelingen, im Konzert der Großen hörbar mitzuspielen. Die Apple-Veteranen haben dem Smartphone-Pionier diese Chance eröffnet. Es dürfte wohl die letzte sein.
02:14:12 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Research in Motion 8,821 EUR   +3,30%  0.282
Google 591,53 USD   -2,01%  -12.13
Palm 5,69 USD   0,00%  0
    % 
  • FTD.de, 09.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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