Personalien in Unternehmen sind eine heikle Sache. Wenn etwa ein Vorstand vorzeitig abgelöst wird, dann will der betreffende Konzern das selbst und mit den üblichen Abschiedsfloskeln mitteilen. Das ist legitim.
Manchmal aber sickert die Nachricht vom ungeplanten Abgang vorher an die Presse durch. Die will die Nachricht vorab verbreiten. Auch das ist legitim, denn so funktioniert nun einmal der Markt: So wie Industrieunternehmen mit besonderen Produkten ein Alleinstellungsmerkmal anstreben, wird auch eine Zeitung ihren Lesern hin und wieder Exklusivität bieten.
Konzerne mahnen in solchen Fällen gegenüber den Medien zu Recht die Einhaltung der Regeln von Fairness, von Professionalität an: Journalisten sollen nicht jedes gestreute Gerücht glauben, sondern es anhand anderer Quellen verifizieren. Und sie sollen dem fraglichen Unternehmen Gelegenheit geben, Stellung zu nehmen.
An diesem zweiten Punkt zeigt sich dann, ob auch das Unternehmen professionell arbeitet. Wie geht es mit der Anfrage um? Es hat die Wahl: Es kann zu dem Gerücht - offiziell oder im sogenannten Hintergrund - etwas sagen. Es hat aber selbstverständlich auch das Recht, einen Kommentar ganz abzulehnen.
Doch viel zu oft bleibt es nicht dabei. Viel zu häufig entscheiden sich die Unternehmen für eine andere, für die schlechteste Variante. Sie entscheiden sich für die Lüge.
Dann streiten Manager oder ihre Sprecher die Geschichte vehement ab - obwohl sie wissen, dass die Wahrheit kurz darauf ohnehin ans Licht kommen wird. Solche Fälle kommen besonders häufig - aber nicht ausschließlich - vor, wenn es um Personalien geht. Nachfolgend einige Beispiele aus den vergangenen Monaten.
Der Fall Hertie: Der Chef des Warenhausbetreibers, Kay Hafner, werde das Unternehmen verlassen, war aus guten Quellen zu hören. Hertie-Sprecher Ralf Beke-Bramkamp wies das als Branchengerücht zurück, das nur dazu diene, das Unternehmen zu schädigen. Die Nachricht zu veröffentlichen sei unseriös, weil alles auf butterweichen Quellen beruhe. Beke-Bramkamp drohte der FTD mit einstweiliger Verfügung, sollten die Erkenntnisse in einem Artikel erscheinen. Wenige Tage später die offizielle Nachricht: Hafner verlässt den Warenhausbetreiber. Der Sprecher bestreitet heute sein eigenes Dementi. So habe er das nie gesagt.
Der Fall Otto: Insider berichteten, der Handelskonzern habe den 25-Prozent-Anteil des Medienkonzerns WAZ an dem Unternehmen erworben, die Fremdeigner damit ausbezahlt und den Konzern so in kompletten Familienbesitz gebracht. Der Otto-Sprecher dementierte die Information zunächst in zwei Telefonaten. Es liefen nicht einmal Gespräche, das könne er mit allergrößter Sicherheit sagen. Die FTD beharrt auf der Veröffentlichung, und später bestätigt der Sprecher den Vorgang. Er sei zunächst nicht über den Status der Gespräche informiert gewesen.
Der Fall Arques: Der Vorstandschef der Beteiligungsholding, Martin Vorderwülbecke, dementierte nach Gerüchten über sein Ausscheiden Ende Oktober 2007 offiziell, dass er vorzeitig aussteigt. Auch gegenüber Analysten erklärte er, er werde bestimmt seinen bis Ende 2008 laufenden Vertrag erfüllen. Tatsächlich ließ der Manager dann Mitte Januar Knall und Fall mitteilen, dass er zum Monatsende abtrete - aus privaten Gründen. Ein Sinneswandel in so kurzer Zeit? Vorderwülbecke erschien jedenfalls weder auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz, noch nahm er vor Analysten dazu Stellung. Vorderwülbecke war einfach weg.