Martin Wolf ist FT-Kolumnist.
Der Londoner G20-Gipfel hat keine nachhaltige Erholung der Weltwirtschaft eingeleitet. Dafür markierte das Treffen die Rückkehr einer alten Debatte: die Funktionsweise des internationalen Währungssystems. An dieser Stelle werden viele Leser mit den Augen rollen. Es ist nun einmal einfacher zu glauben, dass einzig und allein Deregulierung und falsche Regulierung in Großbritannien, den USA und ein paar anderen Ländern die Krise verursacht haben. Angesichts der ungeheuren weltweiten makroökonomischen Ungleichgewichte ist aber zweifelhaft, dass strengere Regulierung allein die Welt gerettet hätten.
Diese Frage ist höchst relevant für die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung. Die Staatsschulden sind in Ländern mit strukturellen Leistungsbilanzdefiziten jetzt generell höher als in solchen mit Überschüssen. Das liegt daran, dass letztere einen beträchtlichen Teil der Konjunkturhilfen von Ländern mit Defiziten importieren können. Die OECD prognostiziert, dass die US-Schulden einen Sprung von fast 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts machen werden. Es ist recht wahrscheinlich, dass die nächste Krise dadurch ausgelöst wird, dass die Märkte die Staatsverschuldung in Ländern mit großen strukturellen Defiziten (besonders den USA) irgendwann als exzessiv bewerten.
Angst um die Reserven
Interessanterweise ist China das Land, das diese großen Fragen aufwirft. Die Gründe dafür sind freilich eigennützig: China will die Schuld für die Krise von sich weisen und dem Druck aus den USA auf den Renminbi etwas entgegensetzen. Das Land will so viel von seinem Entwicklungsmodell beibehalten wie möglich. Vor allem aber macht China sich um den Wert seiner Devisenreserven Sorgen, die weitgehend in Dollar notiert sind. Mit einer Summe von fast 2000 Mrd. $ erreichen sie fast die Hälfte des weltweiten BIPs von 2008. Man stelle sich vor, was die Amerikaner sagen würden, wenn ihre Regierung etwa 7000 Mrd. $ (der entsprechende Betrag relativ zum US-BIP) in Verbindlichkeiten nicht immer ganz freundlicher Regierungen investiert. Die chinesische Regierung fängt gerade an, ihren Fehler zu erkennen - leider zu spät.
In letzter Zeit hat der Chef der chinesischen Zentralbank, Zhou Xiaochuan, eine bemerkenswerte Zahl an Reden und Papieren über das weltweite Finanzsystem, globale Ungleichgewichte und die Reform des internationalen Währungssystems hervorgebracht. Diese stellen sowohl Zeugnisse der chinesischen Sichtweise dar als auch einen Beitrag zur globalen Debatte. Man muss nicht allem zustimmen, was er sagt. Allein die Tatsache, dass er sich darüber ausspricht, ist allerdings schon bedeutsam.