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Merken   Drucken   05.02.2009, 11:30 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Martin Wolf - Warten auf den Leithammel  

Ohne entschlossene Führung durch die USA wird die globale Wirtschaft in die Depression abgleiten. Doch die ersten Signale aus der neuen US-Regierung sind alles andere als ermutigend. von Martin Wolf
Martin Wolf ist FT-Kolumnist.
Eine Supermacht ist eigentlich immer im Unrecht. Das stimmt vor allem dann, wenn, wie auf dem letzten Weltwirtschaftsforum von Davos, die Supermacht fast keine offiziellen Vertreter entsendet. Aber es ist auch wahr, dass die Kritiker der USA, angeführt von den Ministerpräsidenten Chinas und Russlands, leichtes Spiel hatten, als sie Washington Inkompetenz und kriminelles Versagen vorwarfen.
Es ist bestrickend einfach, den USA die Schuld an der globalen Wirtschaftskrise zu geben. Zugleich aber richtet die ganze Welt den Blick auf die USA, wenn es um die Frage geht, wie wir aus dieser Krise wieder herauskommen. Die Stimmung ist angesichts der Zahlen zu Recht verzweifelt. Und es spricht einiges dafür, dass die Abwärtsspirale aus Unsicherheit, Vorsicht und Kürzungen bei Krediten und Ausgaben sich fortsetzt.
Die "Buy American"-Klausel ist aberwitzig
Es ist aber auch denkbar, dass die Politik das Ruder herumreißen kann, wenn sie entschieden handelt. Von der neuen US-Regierung unter Barack Obama hängt in dieser Frage sehr viel ab. Sie hat die außergewöhnliche Chance, jetzt den Trend umzudrehen. Bisher sind die Zeichen allerdings nicht sonderlich ermutigend.
Zum einen nimmt die Tendenz zum Protektionismus rasch zu, nicht nur in der Finanzbranche, sondern auch im Handel. Nichts ist aberwitziger als die "Buy American"-Klausel, die im Entwurf für das US-Konjunkturpaket vorgesehen ist. Es ist eine Einladung zur Vergeltung. Für ein Land, dessen einziger Weg aus dieser Rezession im Export besteht, ist das schlicht verrückt. Für ein Land aber, das eine offene Weltwirtschaft seit zwei Generationen als Eckpfeiler seiner Außenpolitik betrachtet, grenzt ein solcher Schritt an Vandalismus. Ist das der Wandel, an den wir glauben müssen?
Anders als man uns in manchen Kreisen, vor allem in Amerika, glauben machen will, sind Depressionen weder gut für uns noch etwas, was sich nicht vermeiden lässt. Doch um dagegen vorzugehen, braucht es einen entschiedenen und weltweit koordinierten Einsatz. Die Führung müssen die USA in die Hand nehmen. Dieses Wirtschaftssystem wurde von ihnen propagiert, und die Fehler ihrer Politiker und privaten Institutionen haben viel zu dieser Krise beigetragen - auch wenn Fehler an anderen Orten hinzukamen.
  • Aus der FTD vom 05.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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