Am Schluss bekommt CSU-Chef Erwin Huber sogar noch einen kleinen Rempler ab. Merkel hebt nach minutenlangem Applaus abermals den Arm zum Winken in die Parteitagshalle und knufft dabei den bayerischen Parteivorsitzenden, der mit einem Blumenstrauß für die Rednerin artig auf das Ende des Beifalls wartet. Das dauert noch ein wenig, denn die CSUler klatschen zufrieden.
Merkel hat eine clevere Rede gehalten: Sie überschüttet die CSU mit Lob und Anerkennung. Haushaltssanierung, Förderung von Forschung und Entwicklung, Arbeitsmarkt- und Familienpolitik, Bürokratieabbau - hier sei Bayern Vorbild für die Bundesregierung, schmeichelt sie. "Bayern ist da, wo der Bund hin will." Sogar das CSU-Steuerkonzept mit Entlastungen auf breiter Front in den nächsten Jahren gehe in die richtige Richtung, betont Merkel. Die Pendlerpauschale erwähnt sie nur als kleinen Dissenspunkt.
So trifft sie die Gefühlslage der CSU: Zehn Wochen vor der bayerischen Landtagswahl müssen die Christsozialen erstmals seit 46 Jahren um ihre absolute Mehrheit bangen, mit ihrem Führungsduo aus Parteichef Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein haben viele bis vor kurzem noch schwer gehadert. Der Kampf gegen Merkel und SPD-Finanzminister Peer Steinbrück für die Rückkehr zur alten Pendlerpauschale hat der Partei neues Selbstbewusstsein verschafft. Genau dieses Bedürfnis bedient Merkel in Nürnberg. Ihre Botschaft an den Parteitag: Die CSU kann stolz sein - und braucht dazu nicht die Pendlerpauschale. Den verunsicherten Christsozialen reicht das offenbar. Vor Dutzenden von Fernsehkameras fällt der befürchtete Showdown jedenfalls voerst aus.