Ganz alte Hasen wird der Deal an die schlimmsten Exzesse der Internet-Ära erinnern. Damals im Jahr 1998 und danach waren durchaus solide Unternehmen wie Sun (Computer) oder Oracle (Software) so gierig auf neue Kunden, dass sie Aktien von windigen Dotcom-Startups als Bezahlung für ihre Ware akzeptierten. Hauptsache dabeisein, koste es, was es wolle.
Nun ist Facebook kein windiges Start-Up und muss sich schon sehr ungeschickt anstellen, um bei einer monatlichen weltweiten Nutzerschaft von 73 Millionen Menschen und einer Wachstumsrate von 420 Prozent seit September 2006 kurzfristig keinen Profit zu machen.
Aber der Preis scheint dennoch hoch: Der Konzern hat viel Geld für eine winzige Beteiligung an Facebook bezahlt - im Austausch gegen das Recht, auf der unprofitablen Website Werbung für die schnell wachsende Nutzerschaft zu platzieren. Jeder Nutzer ist damit rund 300 $ wert. Wie so viel Geld jemals wieder eingespielt werden soll, ist ein Rätsel, so wie zu besten Dotcom-Zeiten.
Denn was langfristig kommt, ist unberechenbar. Niemand weiß, ob das Online-Kontakten - englisch "to poke", im Deutschen vom Facebook-Nachbau StudiVZ mit "Gruscheln" übersetzt - eine Dienstleistung ist, die auch in zehn Jahren noch nachgefragt wird - vielleicht werden sich erste soziale Bewegungen bilden, die Kontakte ausschließlich in der realen Welt pflegen, und es entsteht wieder ein anderer boomender Markt.