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Merken   Drucken   03.04.2009, 08:35 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Münchau - Vergesst die Banken nicht  

Die Weltwirtschaft ist gefangen in einer Spirale aus Bankenkrise und Rezession. Damit die Institute wieder Kredite vergeben können, müssen die Regierungen deren Kapitalausstattung stärken. Die bisherigen Rettungspläne reichen nicht aus - weder in den USA noch in Europa. von Wolfgang Münchau
Sie meinen also, erste Anzeichen der Erholung zu erkennen? Sie trösten sich mit der jüngsten Stabilisierung von Frühindikatoren wie dem der Verkäufe neuer Eigenheime in den USA? Oder Sie denken, die Börsenrally bedeute das Ende der Krise?
Natürlich müssen sich schon aus rein technischen Gründen die Wachstumsraten bald verbessern, sonst wäre bis zum Ende des Jahres nicht mehr viel von der Weltwirtschaft übrig. Aber selbst wenn eine Erholung Anfang 2010 einsetzt, wie manch ein optimistischer Prognostiker glaubt, haben wir die größten Schmerzen der Rezession noch vor uns: Arbeitslosigkeit und Kreditausfallquoten werden steil ansteigen. Im Finanzsektor drohen noch viel größere Schmerzen. All das wird sich wie eine Depression anfühlen, lange nachdem sie aufgehört hat, eine zu sein.
Ich mache mir heute mehr Sorgen als noch vor einem Monat. Das größte Problem ist, dass die Rückkopplungen zwischen Realwirtschaft und Bankensektor wirklich beängstigend sind. Man darf nicht vergessen, dass sämtliche Prognostiker immer noch emsig dabei sind, ihre Konjunkturprognosen für 2009 nach unten zu revidieren. Die jüngste Abwärtskorrektur lieferte die Commerzbank: Sie erwartet für Deutschland in diesem Jahr einen Einbruch von sechs bis sieben Prozent.
Toxische Papiere raus aus den Bilanzen
Bei diesem Tempo dürfte die Zahl an Privat- und Firmeninsolvenzen drastisch ansteigen - noch stärker, als die Banken selbst durch Stresstests ermittelt haben. Nach der Krise, die durch toxische Wertpapiere ausgelöst wurde, wird die Finanzbranche nun von einer weiteren Krise von potenziell ähnlichem Ausmaß heimgesucht. Es sieht so aus, als hätten wir es mit einem der schlimmsten Kreditzyklen seit Menschengedenken zu tun.
Volkswirte und Politiker, die sich Gedanken machen, wie viel Geld zur Rekapitalisierung des Bankensektors nötig ist, stellen fest, dass die Rettung der Banken eine viel schwerere Übung ist als gedacht. Egal, wie hoch die Kosten geschätzt werden - und die Schätzungen gehen weit auseinander -, sie werden wohl letztlich noch viel höher ausfallen. Die Wirtschaft ist gefangen in einem Teufelskreis aus Kreditklemme und Rezession.
  • Aus der FTD vom 03.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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